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#06 Recherche & Vorbereitung: Den Film filetieren für den Trailer-Schnitt

Genau wie beim Spielfilm-Schnitt (oder Schnitt im Allgemeinen) ist auch beim Trailer-Schnitt Organisation der Schlüssel um schnell, effizient und ungehindert kreativ arbeiten zu können! Am Ende wird ein spektakulärer Trailer mit schnellen und eindrucksvollen Bildfolgen entstanden sein, der dem Betrachter den Puls höher schlagen lassen wird…aber am Anfang bereiten wir uns erst einmal geradezu meditativ und gelassen darauf vor und lernen den zu bewerbenden Film in- und auswendig kennen um ihn gut positionieren zu können!

Der erste Schritt beim Trailer-Schnitt ist der wichtigste und von außenstehenden Hektikern gern als der „zeitraubendste“ verkannt. FILM SCHAUEN!
Und zwar so wie es ein Zuschauer auch tun würde (nur ohne Handy nebenbei :P).
Im ersten Durchgang versuche ich Notizen auf ein Minimum zu reduzieren, sondern konzentriere mich 100% auf den Inhalt.

Danach geht es los! Im Folgenden beschreibe ich Euch die Arbeitsschritte nach Lehrbuch zum trailern eines Spielfilmes. Vieles davon lässt sich aufgrund Bearbeitungszeit in der On-Air Promo – wo man es oft mit ganzen Serienstaffeln zu tun hat – nicht zwingend derart detailliert umsetzen aber um „Regeln“ zu brechen sollte man sie kennen…

Der Dialog-Breakdown

Dialog-Breakdown für On-Air Kombi-Trailer

Jeder im Film gesagte Satz (JEDER!) wird zunächst aus dem Material geklammert und als Sub-Clip abgelegt. Diese einzelnen Clips pro Satz werden wie folgt benannt:

Rollen Name“ – „Dialog“
Bsp.:
Marco – Klingt nach einer menge Arbeit!
(…)

Wenn man diese per Textsuche, durchsuchbare Dialogliste vor sich hat, beginnt man mit den folgenden Schritten die Geschichte des Trailers aus den Dialogen zu bauen:

1.: Sätze die, die Story erzählen heraussuchen.
2.: Oft muss man hierzu Sätze „cobblen“, um völlig neue Sätze, welche im Film so nicht gesagt werden, zu bauen.

Bsp.:
Am Anfang des Films sagt die Figur den Satz:

Marco – Klingt nach einer Menge Arbeit!

Und am Ende des Films eventuell diesen Satz:

Marco – Ich hätte niemals gedacht, dass ich mit euch so viel Spaß haben werde.

Für den Trailer können wir dann folgenden Satz (bspw. als Reaktion auf etwas cooles, das wir im Trailer zuvor gezeigt haben) aus diesen beiden Sätzen „cobblen“:

Marco – Klingt nach einer Menge Spaß!

3.: Suchen nach generischen Charakter-Reaktionen „Shout-Outs“ um Momente zu highlighten. Bspw. Neos WOW, nach der Häuserschlucht Action gleich zu Beginn des Matrix-Trailers. – Hier gehts zur Auffrischung zurück zum Artikel!

Der Visual-Breakdown

Visual-Breakdown für On-Air Kombi Trailer.

Der Visual-Breakdown dient dazu die wichtigsten Bilder aus dem Film für den Trailerschnitt zu kategorisieren und ermöglicht später im Schnitt schnellen Zugriff auf das benötigte Material. Hierzu schneidet man sich die jeweiligen Bilder in eine Sammeltimeline pro Kategorie. Der Visual-Breakdown kann in drei Überkategorien eingeteilt werden:

Main-Visuals

Diese Kategorie sieht für jeden Trailer gleich aus. Hier findet man:

Scope-Shots

Das sind alle Bilder aus dem Film, die Größe vermitteln. Totalen von Landschaften, Städten etc. Die sogenannten Wide-Shots eben.

ID-Shots

Imposante Einstellungen von Hauptdarstellern. Schöne Close-Ups beispielsweise oder eindrucksvolle Aktionen. Money-Shots.

Accents

Alles was man akzentuiert auf einen Beat in der Musik oder auf einen Soundeffekt legen kann. Drücken eines Knopfes, Umlegen eines Hebels, Öffnen einer Tür, Schlag auf einen Tisch, hochziehen einer Augenbraue, eindrucksvolle Kopfdrehung, durchladen einer Waffe usw.

Reactions

Schöne Blicke und non-verbale Reaktionen.

Genre-Spezifische-Visuals

Hier kommt alles rein, was sich vom Genre des Films ableitet. Zum Beispiel Slapstick-Gags bei einer Komödie, Fights bei Action, emotionale Momente bei Drama, und Jump – Scares bei Horror.

Film-Spezifische-Visuals

Hier kann man zusätzlich noch Dinge reinpacken, welche eventuell den USP des jeweiligen Filmes abbilden. Bei Harry Potter wären das alle Zaubersprüche und bei Herr der Ringe alle Bilder in denen der Ring zu sehen ist. – Man kann aber auch philosophieren ob der eine Ring nicht auch ein Character ist – dann packt man ihn eben zu den ID-Shots bei den Hauptdarstellern. 😉 Das hier ist nach purem Gusto und ihr könnt das so organisieren wie es für eure Zwecke passt – respektive wie es eure Zeit erlaubt!
Manchmal reicht die Zeit auch nur für schnell gesetzte Marker.

Was hat man davon sich diese Arbeit zu machen?

Im besten Fall den Trailer im Kopf/auf dem Papier fertig zum zusammen bauen!
Hier in dieser Phase entsteht der Trailer!
Was viele nicht verstehen, der Trailer entsteht NICHT beim eigentlichen schneiden/zusammen bauen. Wie der Film selbst entsteht er auf dem Papier! Respektive im Kopf des On-Air Producers/Editors. Die besten Ideen wie man all diese Elemente zu einem spannenden neuem Ganzen – den Trailerzusammenfügt, entstehen in der Zeit, in der man sich beim auseinandernehmen des Filmes eben genau mit diesem Film beschäftigt!Das hat durchaus was sinnliches manchmal!

Durch die filetierten Elemente erhält man schnellen Zugriff auf die einzelnen Bestandteile, so wie man sie für den Trailer braucht, losgelöst von ihrem eigentlichen Kontext im Film. Dekontexturieren ist unumgänglich und Hauptaufgabe im Trailer-Schnitt.

Da der Film nun in seinen Einzelteilen vor uns liegt, schauen wir uns im nächsten Beitrag ein paar Tipps an, wie man aus dem ganzen Rohmaterial das Story-Gerüst baut und vor allem – überhaupt eine Story für den Trailer innerhalb des Materials findet.

Vielen Dank fürs Mitlesen!
Euer Marco

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#05 Film-Produkt-Positionierung: „Schiff der Träume“ oder „Stahlkollos des Todes…“ TITANIC Die Kunst – Kunst zu verkaufen!

Für gewöhnlich ist ein Teaser/Trailer das erste was potentielle Zuschauer vom jeweiligen Film oder Serie etc. zu Gesicht bekommen. Es ist der erste Eindruck, der oft darüber entscheidet, ob der Betrachter des Trailers später zu einem Zuschauer konvertiert oder nicht. Die Verantwortung den Film entsprechend gut zu positionieren ist entsprechend groß und seine potentielle Zielgruppe zu kennen ist daher unerlässlich.
ACHTUNG: Hier findet sich das häufigste und größte Missverständnis wieder! Die Zielgruppe eines Trailers ist nicht zwingend identisch mit der Zielgruppe des eigentlichen Filmes! Widersprüchlich? Keines Wegs!

Was ist Positionierung?

Beim Positionieren geht es aus Marketing-Sicht darum, die Stärken und Qualitäten eines Produktes, in dem Fall eines Filmes, herauszustellen und passend an eine Zielgruppe zu kommunizieren.
Dieser Punkt ist deshalb so wichtig für die Arbeit im Trailer-Schnitt, da der Stil in welchem der Trailer gefertigt wird maßgeblich von der beabsichtigten Positionierung beeinflusst wird!

Die Basics – Das Konzept

Zunächst wird folgendes als Grundlage herangezogen:

-Worum geht es im Film?
-Wer soll angesprochen werden?


Aufbauend auf dieser Fragestellung wird ein Konzept entwickelt. Das Konzept des Trailers wird so entwickelt, dass folgende Punkte darin berücksichtigt sind:

-Einfaches und griffiges Storytelling
-nicht verwirrend
-der USP des Films wird herausgestellt und einprägsam präsentiert


-> Die Betrachter des Trailers, sollen einen Anreiz erhalten sich über den Film zu Unterhalten! Hierzu muss es den Leuten möglich sein, Dinge zu kategorisieren und selbst zu labeln.
„Ah das ist doch der Film, in dem…
…Schauspieler XY mitspielt!“
…sie sich in eine Computersimulation einklinken!“
…mit Kugeln um die Ecke schießen können!“
…Lebenszeit ihre Währung ist!“
…sie die Träume von Leuten manipulieren!“
…er sich als Lehrer ausgibt und den Schülern zeigt wo es lang geht!“

(…)

Die Tonalität

Mit der Tonalität wird festgelegt, wie das entwickelte Konzept inhaltlich präsentiert wird.
Hier wird also der Schnitt-Stil des Trailers definiert und welche Zielgruppe mit dem Trailer(!) angesprochen werden soll. Um die Frage vorweg zu nehmen – ja. Oft verkauft man einen Film an eine Zielgruppe für die er eventuell nicht primär gemacht wurde!
Dennoch spielt natürlich das Genre sowie das Subgenre, welchem der Film angehört eine maßgebliche Rolle für die Tonalität des Trailers, denn die DNA des Films muss sich im Trailer wiederfinden, selbst wenn dieser aus Gründen der Vereinfachung die Geschichte anders oder nur einen Teil von ihr erzählt. Die besten Momente des Films werden dann so stylisch wie möglich für die Trailer-Zielgruppe präsentiert.

FALLBEISPIEL: James Cameron’s TITANIC (1997) bis 2012: Vom (zu) langen Liebesfilm zum Phänomen der Filmgeschichte mit Kultstatus!

Sehen wir uns das Thema Positionierung und Tonalität am Beispiel von TITANIC an. Eins kurz vorweg: Titanic ist und bleibt wohl mein absoluter Lieblingsfilm, den ich von Kindesbeinen an bis heute nicht nur sprichwörtlich über 100 mal gesehen habe, sondern dies wohl tatsächlich geschafft habe.

Ich bin mir sicher jeder hier von uns weiß genau wie ein Trailer zu Titanic auszusehen hätte. Hoch emotionale Musik, die schönsten und prunkvollsten Bilder vom Schiff, sowie die schönsten ID-Shots (Begriffserklärung folgt bald!) von Kate Winslet und Leonardo DiCaprio. Fertig ist der Trailer! Hier ein On-Air Promo Beispiel, welches als größeren Überbau noch die Weihnachtsprogrammierung kommuniziert aber tonal in genau diese Kerbe schlägt:

TITANIC On-Air Promo RTL „Weihnachten ist gerettet“ (2000)

Und weil die Positionierung von TITANIC glasklar zu sein scheint hier noch ein Beispiel von ProSieben von 2007:

TITANIC On-Air Promo ProSieben „Weihnachten“ (2007)

Wichtig hierbei zu wissen ist jedoch folgendes: Der Film erschien ursprünglich 1997. Er mutierte zum erfolgreichsten Film aller Zeiten und machte Kate Winslet und Leo über Nacht zu Superstars! Wie immer jedoch, ist der Erfolg am Ende der Geschichte nur die Spitze des Eisbergs! Sehen wir uns an wie der Film zu seinem Kinorelease ursprünglich positioniert wurde – ihr werdet Augen machen!

TITANIC 1997

TITANIC 1997 – Original Trailer (US-Short)

Celines Geflöte suchen wir hier also vergeblich und auch sonst ist nicht viel los mit „I’m flying Jack, I’m flying!“. Manch einer fragt sich jetzt eventuell wie zum Henker man auf die Idee kommt diesen tollen Film derart „düster“ und maskulin zu promoten… nun weil es zu der Zeit das einzig Richtige war.

Wie bereits 1977 bei Star Wars, hatte 20th Century Fox auch 20 Jahre später bei TITANIC große Sorge, dass dieses Mammutprojekt eventuell zum Millionengrab wird. (Mit 250 Millionen Dollar, damals teuerster Film aller Zeiten!)
Die Zielgruppe für einen 194 Minuten langen LIEBES-Film ohne Superstar in der Hauptrolle (lediglich zwei potentielle Newcomer Anfang 20!!) erschien äußerst klein. Den Gesichtsausdruck mancher Männer, wenn deren Frauen sagten „Schatz gehen wir in Titanic?“ kann man ja sogar heute noch bewundern, wenn es um den heimischen Filmabend geht!

Nicht zuletzt dürfte James Cameron’s Filmographie ebenso ein wichtiger Faktor gewesen sein. Seine drei Filme direkt vor TITANIC waren:

-True Lies (1994)
-Terminator 2 – Tag der Abrechnung (1991)
-Abyss – Abrgund des Todes (1989)


Und dieser Mann der uns die größten Action-Klassiker geschenkt hat kommt nun mit einer Liebesschmonzette um die Ecke. Es machte also durchaus Sinn zu versuchen die Fans seiner bisherigen Werke von TITANIC zu überzeugen, in dem man den Film eher als actiongeladenes Spektakel positioniert! – Geschadet hat es wohl nicht ;).

Etwas mehr Story gab es dafür im ultra Langen „Showest“ Trailer, der aber auch hinten raus eher auf die Action einzahlt. Die romantischeren Elemente des Films wurden dann seinerzeit in den TV-Spots präsentiert (da man hier mehr Frauen erreichen konnte!) Hier noch der Showest-Trailer:

TITANIC Showest Trailer 1997.

TITANIC (3D) Re-Release 2012

2012 war dann endlich das Jahr, in welchem ich meinen bis dahin schon 100 mal gesehenen Lieblingsfilm endlich so sehen konnte wie es sich gehört! Digital-Remasterd auf einer großen Leinwand in perfektionistisch konvertiertem 3D!
Es war auch das Jahr, in welchem der Film endlich den Trailer bekam, den er verdiente – wenn auch sicher nicht den, welcher ihn 1997 zum Erfolg geführt hätte!

TITANIC 3D Re-Release Trailer 2012

Hier handelt es sich nämlich eher um einen Marketing-Trailer, welcher ein Event promoted (den Re-Release!) und nicht den eigentlichen Film. Der Trailer bezieht seine Power aus dem Kultstatus den der Film in Anderthalb Jahrzehnten bereits erreicht hatte und wiegt uns in emotionaler Nostalgie, da er uns den Film an sich nicht mehr verkaufen oder erklären muss.
Er muss uns lediglich daran erinnern wie groß , spektakulär und emotional überwältigend der Film war und immer noch ist. Und am wichtigsten…wir können wieder an Board gehen und zwar in 3D!

Was man mitnehmen sollte

Nebenbei haben wir hier auch eventuell gesehen, wie sich die Art zu trailern über die Jahrzehnte verändert hat und dass auch Trailer sich mit der Zeit in ihren Stilmitteln weiterentwickelt haben.
Hauptlearning ist aber, dass man einen Film durchaus unterschiedlich positionieren kann und ggf. auch sollte! Das kann manchmal extrem erscheinen, hilft aber oft dabei die potentielle Zielgruppe des Filmes zu vergrößern und breit positioniert/aufgestellt zu sein. Man muss ihn nur an unterschiedliche Zielgruppen entsprechend passend kommunizieren. Daher macht es Sinn, sich über die „Core-Values“ des vorliegend Filmes im Klaren zu sein um diese je nach Bedarf in den Vordergrund stellen zu können.

Trailer-Schnitt hat also selten etwas mit dem eigenen Geschmack zu tun, oder damit wie man als Independent-Filmemacher sein eigenes Werk gerne promoted sehen möchte. Es ist und bleibt Werbung und handwerkliches Marketing.
Ich hoffe ihr hattet Spaß bei dieser kleinen Zeitreise auf das Deck der TITANIC! Ich glaube ich gehe jetzt mit meiner old school DVD von 2005 an Board und genieße die leicht rot stichigen Bilder des originalen Bildmasters vor der Restaurierung!

Vielen Dank fürs Mitlesen und noch einen schönen sonnigen Sonntag!
Euer Marco

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#04 Werkzeuge des Trailer-Schnitts: Wie man den Zuschauer in den Kinosaal/vor den Fernseher lockt!

Nachdem wir nun wissen auf welche vier wichtigen Säulen wir unseren Trailer stellen müssen, schauen wir uns nun mal das nötige Grundwerkzeug an, womit wir ihn hoffentlich auf diese Säulen hoch bekommen.

Aufgabe des Trailers ist es einen Film (oder Serie etc.), atemberaubend aussehen zu lassen! Entweder weil einem vor Spannung oder Angst der Atem stockt (Action-Film, Horror-Film Trailer), weil man so damit beschäftigt ist die Tränen zu verkneifen (Drama-Film) oder man vor Lachen nach Luft japst!

Gehen wir mal davon aus euch liegt ein wirkliches A-Class Produkt (Film, Serie) vor, zu dem ihr trailern dürft… cool dann habt ihr immer noch viel Arbeit vor euch, einen verdammt guten Trailer zu schneiden, müsst die folgenden Werkzeuge jedoch „nur“ zum veredeln einsetzen. – Aber EINSETZEN! Ein guter Film muss im Trailer trotzdem wie DER BESTE Film aussehen!

Angenommen jedoch, euch liegt ein richtiger sch… schwacher Film vor, welchen ihr bewerben und verkaufen sollt, dann sind diese Hilfsmittel eventuell eure letzte Rettung…

Dank inzwischen vieler Schema-F Trailer von der Stange, kennen wir sie alle! Die berühmten Piano-Pings. DIIIIIIIIIINGGGG (Weltall!)
Dazu kommen dann noch „Sings, FRRRIIINGS, Swishes, Swooshes, Swipes, Hits… (the list goes on!) – achja –Vinyl-Platten SCRATCHER! 😀 (Der Wilhelm-Scream des Trailer-Schnitts!)
Spaß beiseite, wenn ihr sie benutzt klingt euer Trailer: International, groß, „vertraut“, teuer.
Wenn ihr sie weglasst… tut er’s nicht.
Bevor man mir jetzt vorwerfen möchte „Marco, nicht jeder Trailer kann ein Action-Film Trailer sein!“ – Richtig! Aber für jedes Genre gibt es nochmal eigene Sound und Polish-Möglichkeiten die man benutzen sollte – dazu dann mehr wenn wir uns diese Genres im Detail ansehen.

Audio-Grundausstattung

Drones

SFX-Drone Wellenform
SFX-Drone

Hits

SFX-Hit Wellenform
SFX-Hit

Riser

SFX-Riser Wellenform
SFX-Riser

Swishes

SFX-Swishes Wellenform
SFX-Swishes

Suckbacks

SFX-Suckback Wellenform
SFX-Suckback

Whooshes

SFX-Whoosh Wellenform
SFX-Whoosh

Alles was sonst noch cool klingt!

Drum Hits, Drum Rolls, Hisses, Heartbeats… oder alles was sonst noch irgendwie zum jeweiligen Thema passend erscheint!

Grafische-Elemente

Auch auf Bildebene gibt es einige Elemente, welche entweder von Haus aus in jedem Trailer dabei sein müssen und solche, derer man sich kreativ bedienen kann.

„Technische“ Grafikelemente sind in der Regel:

– Studiologos (Bitte nur dann am Anfang des Trailers, wenn es ein großer Player ist! Sonst etwas später und erstmal visuell beeindrucken!)
– Release Date – Tafel
– Film – Titel
– Endpages
– Credit-Tafel / Billing Board

Creative – Grafikelemente

Vorrangig ist hier alles, was dabei hilft die Story möglichst knapp und effizient zu erzählen bspw. durch Schlagworte. Der Komödien-Trailer lebt oft davon! Aber auch andere Genres bedienen sich daran. Anspruchsvolle Filme binden hierüber gerne Stimmen aus der Presse ein.

-Story-Cards/Copy-Cards
-Namens-Tafeln (Bitte nur bei großen Namen. Hart aber wahr!)
-Kritiker-Zitate

Gleichzeitig möchte ich hier ein Nebenthema am Exempel statuieren. „Steht das lange genug?“, „Kann man das Lesen?“, „Vielleicht einen Frame länger stehen lassen?“
Hier der Trailer zu Whiplash. In dem Zusammenhang bitte am Ende auf die Montage achten. Ich denke danach müssen wir über „Steht das zu kurz?“ hoffentlich nicht mehr so viel diskutieren. (P.S.: Beim trailern gibt’s diese Diskussion meist eh eher in ihrer invertierten Form – „Steht das zu lange?!“.)

Whiplash – Trailer

Die Augen des Zuschauers sind heutzutage geübter denn je! – Unterschätzt sie nicht… vor allem aber… unterfordert (langweilt) sie nicht!

Schnitttechnische Mittel

Neben diesen Elementen gibt es noch ein paar Handwerkliche Stilmittel, welche unerlässlich sind um Momente groß zu machen und visuell beeindruckend zu erzählen. Immer schön in Kombination mit tonalen Akzenten:

– Hard-Cuts to black
– Fades to black/white
– White-Flashes
– Stutter Cuts/Flash-Cuts
– Picture-Pushes
– Effektblenden jedweder Art

Zum Abschluss noch zwei oft unterschätzte zunächst unscheinbar wirkende Stilmittel.

Tonal: Das FREISTEHEN lassen von Punch-Lines. Oft kann ein Satz besonders hervorgehoben werden, wenn man kurz zuvor alles auf Tonebene weglässt. Musik weg, SFX weg…PUNCHLINE…und dann wieder Vollgas weiter! Sprich – man baut den Moment vorher auf, lässt ihn wirken und nutzt ihn dann als Startrampe für was cooles!

Kleines Beispiel fürs Freistehen lassen: (Hab euch entsprechend hingespult, nicht wundern!)

Pitch Perfect Trailer – Freistehen lassen eines Gags.

Und ein visuelles im Grunde strukturelles Mittel: Der Nachklapper/Button

Das ist im Grunde der letzte Moment NACH dem Titel. Also nachdem der Trailer im Grunde vorbei ist. Nochmal ein kleines Zuckerl, ein Gag etc. Oft setzt man einen Moment auch ein wenig ab. Man leitet den Moment sozusagen schon mal ein, unterbricht diesen mit der Titel-Card und setzt dann die Pointe on Top. Es kann aber auch einfach ein finaler Moment ganz hinten dran sein. Ein abschließendes Beispiel für Story-Cards und Nachklapper:

Mein Beste & Ich Trailer. Story-Cards und Nachklapper/Button

So! Endlich! Damit dürfte nun so ziemlich alles an wichtigem Know-How vermittelt sein!
Wir kennen die Trailer Strukturen, wir kennen die wichtigsten Werkzeuge um sie mit Leben zu füllen und wir wissen, was das Ziel eines jeden Trailers sein muss:

Den Film des Jahres zu verkaufen!

In den nächsten Beiträgen werden wir dann sowohl mal ins Eingemachte gehen, wie man sich im Trailer-Schnitt organisiert, welche Writer-/Producer-Techniken man anwendet und wie man trotz der ganzen Hilfsmittel und Strukturen, die für jeden Trailer ähnlich sind, einen Schema-F Trailer umgehen kann…

Danke fürs Mitlesen!
Euer Marco

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#03 Die Vier Säulen des Trailerschnitts

Trailerschnitt ist nicht der Kampf um die Aufmerksamkeit des Zuschauers.

Es ist der Kampf um die Sehabsicht des Zuschauers!

Die nötige Aufmerksamkeit bekommt ein Trailer, wenn er gut gemacht ist sowieso. Daher sollte der Trailer, in der Zeit die ihm bleibt, mit seinem starken und stylisch präsentierten Inhalt um die Sehabsicht des Zuschauers kämpfen.
Und nicht mit wahllosem Bilderfeuerwerk versuchen zu Kaschieren, dass er nichts zu erzählen hat. Der Trailer muss einen derart guten Film erahnen lassen, dass derjenige der den Trailer sieht – UNBEDINGT in den dazugehörigen Film muss.


Es gibt nur ein Ziel: Der Zuschauer muss denken „Wow, den Film muss ich sehen!“!

Hier kommt der lustige Teil unseres Jobs als Trailer-Editoren.
Schnittkollegen aus dem Spielfilmbereich denken sich hier oft, naja – also die 2,5 Minuten sind doch schnell geschnitten. Und ja sie haben recht! Die 2,5 Minuten Trailer sind meistens „schnell geschnitten“, aber meist nicht mal eben schnell geschnitten!
Ein Kollege sagte zu mir: Bei einem 90 Minuten Film hast Du ja so viel Material, da bekommst du die 2,5 Minuten ja schnell „voll“, ob ich mir da so viele Gedanken machen müsste beim Trailer-Schneiden…
Ich habs dann so erklärt:
Meistens wenn ich eine Serienstaffel „betrailern“ darf, bekomme ich gern mal 15 Episoden dieser Serie mit einer Laufzeit von ca 20 Minuten pro Episode.
Das sind also 300 Minuten Material und mein Trailer dazu geht exakt 30 Sekunden.
Ich mache mir ehrlich gesagt erstmal nicht so viele Gedanken um die wenigen Momente die ich reinnehmen werde um diese 30 Sekunden zu füllen.
Ich mache mir aber lange und viele Gedanken um die 229,5 Minuten, die ich NICHT benutzen kann! Beim Spielfilm sind es immer noch 87,5 Minuten, die gut überlegt sein wollen!

Deshalb zum besseren Verständnis, was wir Promo-Editoren wirklich tun – hier die Vier Säulen auf denen ein guter Trailer steht.

Säule 1: Die drei S – Spannendes, Simples Storytelling

Damit der Trailer die spannendste Geschichte aus, oder zum Film erzählen kann, muss man genau wissen was man in den Trailer packen sollte. Noch viel wichtiger ist es jedoch zu wissen, was man besser rauslässt, um die Story simpel zu halten!
Wer sich hier gute Gedanken macht, erreicht am Ende, dass der Zuschauer sich erinnern kann worum es in dem Film geht, oder zumindest denkt er wüsste jetzt ziemlich gut bescheid. Und dass er es cool findet und auch sehen will!

Unbedingt zu vermeiden sind unnötige Details sowohl Bildschnitt-technisch, als auch im Storytelling! „Boil-It Down!“ Der Trailerzuschauer muss nicht alles aus der Film-Story so verstehen wie es der finale Filmzuschauer muss.

Säule 2: Style

Hierfür gibt es eine ganze Reihe von nützlichen „Tools“ denen man sich als Trailer-Editor bedient und die lernen wir dann auch bald mal kennen. Hier jedoch schon mal der Grund wozu man sie braucht:
Nur eine gute Geschichte zu haben reicht einfach nicht! Mann muss sie zu einem Event machen! Es muss stylisch gemacht sein, damit es als „Wow“-Moment beim Zuschauer hängen bleibt. Der Trailer soll und muss vor allem eins – Spaß machen!
Einen Film sieht man sich an, und man taucht in ihn ein!
Auf einen Trailer schaut man drauf! Wie auf einen Klappentext. Entweder man hatte spaß und war gut unterhalten – oder eben nicht. Deshalb Hauptsache es ist cool, macht spaß und weckt maximale Neugier!

Säule 3: Rhythmus

Trailerschnitt ist eigentlich eine hochmusikalische Angelegenheit, denn hier ist perfekter Rhythmus alles! Jeder Beat, jedes Timing in Bild und Ton und in der Musik müssen sitzen! Das ist es, was am Trailerschnitt am schwersten zu lernen ist. Musikalisches Gefühl und Rhythmus.
Der Trailereditor ist derjenige, der die Musik für den Trailer recherchiert, auswählt, editiert und oft im Pre-Mix auch die Nuancen vorgibt. Gleiches gilt für das Sounddesign und die Soundeffekte.
Es gibt hier niemandem nach dem Trailer-Editor, der all diese Dinge hinzufügt wie beim Spielfilm.

Auch hier erkennt man oft die kleineren Independet-Trailer und Hobby-Trailer. Ihnen mangelt es sehr oft an einem guten Sound-Design und am richtigen Rhythmus. Abgesehen davon ist das Storytelling dann leider auch meist etwas schwächer – also schon zwei Säulen die in diesem Bereich oft wackeln. Auch dazu bald mehr.

Eben weil diese dritte Säule so wichtig ist, schon mal der Hinweis – oft beginnt man den Trailerschnitt DAMIT und nicht mit den richtigen oder vermeintlich falschen Bildern aus einem Film ;). Suprise!
Bald folgen die Details dazu!

Säule 4: Polish – Und zwar bis es glänzt!

Die Zeit des Trailers ist sehr begrenzt, der erste Eindruck zählt und eine zweite Chance – gibt es nicht! Der Auftrag ist es den Film zu VERKAUFEN! Wie ein Marktschreier! Manchmal gehts aber auch subtiler.

Alles muss richtig auf den Beats landen und im Rhythmus sein. Dialoge sollten klar herausstechen und die Soundeffekte sollten überlegt und gut akzentuiert sein. Musikschnitte müssen organisch sein und im richtigen Takt.
Nichts Überlfüssiges sollte zu sehen oder zu hören sein. Hier MUSS man mit Gefühl für Detailarbeit ans Werk gehen!

Im Zweifel ist das perfekte Polish oft kriegsentscheidender als die perfekte Story! Ihr glaubt mir nicht? Dann mal eben hier ein Trailer, der in meinen Augen und Ohren eine musikalisch-rhythmische Glanzleistung ist. Da interessiert einen dann die etwas maue Story (für die der Trailer aber wenig kann) auch schon gar nicht mehr so…

Official Trailer 1 Resident Evil: the Final Chapter.

Als Vergleich noch ein alternativer Edit, ebenfalls ein Official Trailer, damit wir uns schon mal dem Thema unterschiedliche Trailer für Kampagnenbreite annähern:

Official Trailer Resident Evil: the Final Chapter.

Oh man 😀 Ich hatte gerade richtig Spaß diese Trailer zu gucken! Beinahe hätten sie es geschafft, dass ich mir diesen schwachen Film nochmal ansehe :P!

Nachdem ich jetzt gefühlt zwei Wochen darüber geredet habe, warum man im Trailer manche Dinge macht und was wir Trailer-Editoren bezwecken:

Spannendes, dennoch einfaches und extrem poliertes Erzählen – mit Stil und Rhythmus!

Kann es jetzt langsam um das detaillierte WIE GENAU gehen!

Vielen Dank fürs Mitlesen.
Euer Marco