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#07 Trailer-Storytelling: Die Geschichte finden, die den Film verkauft!

Kurz nochmal zusammen gefasst: Ich denke Filme wie Matrix, Inception, Cloud Atlas uvm., welche einen sehr komplexen Plot haben, beweisen mit ihren jeweiligen Trailern sehr wohl, dass der Film, dessen Geschichte nicht mundgerecht in einen Trailer gepackt werden kann, erst noch geschrieben werden muss.

Da ein Trailer aber im Grunde die Log-Line des Filmes wieder gibt und jedes Drehbuch und jeder Film auf einer Log-Line basiert bin ich hier optimistisch, dass auch in Zukunft zu jedem Film ein guter, spannender Trailer möglich sein wird.

The Sixth Sense – Ich sehe schwache Trailer
©Walt Disney Studios Motion Pictures

Es ist auch kurz an der Zeit euch wissen zu lassen, weshalb ich das Bedürfnis hatte diesen Blog zu starten. Ich sehe SO VIELE SCHWACHE Trailer da draußen, dass es mir das Herz zerreisst. Ich rede hier oft von Trailern zu deutschen Filmen, die stilistisch oft nicht im Ansatz mit amerikanischen Trailern mithalten können. Da wird sich dann gerne über das Budget herausgeredet. Ein schwacher Trailer kostet oft mehr, wie ein starker! Monitär liegen beide idR gleich auf. Der eine kostet u.U. jedoch zzgl. Zuschauer, der andere bringt sie ein!

Auch das haben Trailer und Filme also gemeinsam!

Ich bin der festen Meinung, da es der deutsche Film beim Publikum eh schon schwer genug hat, muss (oder darf) er nicht auch noch bescheiden verkauft werden! Bescheidenheit, 😛 ist in der Werbung fehl am Platz, da ein Trailer Vollgas benötigt und keine angezogene Handbremse. In Zukunft soll es hier auch Beispiele mit konstruktiver Analyse geben. Bis dahin gebe ich euch alle nötigen Grundlagen for free in diesem Blog an die Hand – in der Hoffnung – ein Bewusstsein für gutes Trailer-Handwerk zu schaffen. Ebenso arbeite ich daran, dass bald auch Kolleginnen und Kollegen hier zu Wort kommen.

Was man aus dem Film benutzen sollte

1: Dinge, welche die Hauptfigur vorstellen und charakterisieren. -> etwas das zudem Aufmerksamkeit erregt. Introduction von BABY in Baby Driver ist hier der Maßstab!

Beispiel-Briefing: Vorstellung des Hauptcharacters. So, dass der Zuschauer auch gleich einen Hint auf seine besonderen Fähigkeiten bekommt, und er eine präzise Vorstellung der gesamt Tonalität des Films erhält. Musik muss als wichtiger Bestandteil erkennbar werden, ebenso sollte die größere Rahmenhandlung (Heist-Story) erzählt werden. Das alles in 35 Sekunden ohne lange erklärende Dialoge? Don’t tell it…SHOW IT ala Baby Driver!

Baby Driver – Official International Trailer

2: Dinge, welche die Einzigartigkeit des Filmes, den USP oder „Unique-Hook“ klar herausstellen. Auch dies erledigt der Baby Driver Trailer gleich im Intro zum Teil mit.

3: Dinge, welche die Hauptstory, Log-Line wiedergeben.

Sollte man bei einem Film Schwierigkeiten haben diese Dinge mit den Dialogen erzählen zu können gibt es die Möglichkeit, Title-Cards mit Schlagworten oder Story-Cards ergänzend zu benutzen. Auch der hin und wieder veraltet wirkende Voice-Over kann benutzt werden. Richtig verwendet, kann das auch heute noch gut wirken! In der On-Air Promo kommt er dafür umso öfter noch zum Einsatz und ist Standard. Schönes Beispiel für tollen Voice-Over Einsatz mit ADR/Cheat-Lines der Filmfiguren:

Prosieben Star Wars Eine Neue Hoffnung Ankündigungstrailer

Und hier ein klassischer Einsatz mit Station-Voice:

ProSieben – On-Air Promo Star Wars Eine neue Hoffnung

Was man aus dem Trailer zum Film UNBEDINGT herauslassen sollte muss

1: Unwichtige Introduction von Nebencharakteren. Namen rauslassen und nicht weiter erklären/vorstellen!

2: Langweilige und langatmige Erklärungen! Das sollte man im Film selbst schon nicht machen, erst recht nicht im Trailer. Jeder jung Produzent und Regisseur schmeißt gerne mit der alt Weisheit „Show it don’t tell it!“ um sich… ich frage mich warum deutsche Trailer dann so oft am „tellen“ und so wenig am „showen“ sind…

Hierzu ist auch oft ein starkes Umschreiben mancher Sätze nötig. Das im vorherigen Beitrag beschriebene „cobblen“ von Sätzen kommt dann zum Einsatz. Wann immer man einen Sachverhalt in 5 statt in 10 Worten erklären kann…go for it!

3: Sogenannte „Pandoras Box-Lines/Szenen“: Das sind alle Elemente der Geschichte, welche neue Fragen aufwerfen würden, welche man dann wiederum langwierig erklären müsste wodurch der Trailer nur unnötig kompliziert und komplex wird.
Das ist dann nicht nur Verwirrend für den Betrachter SONDERN nach kurzer Zeit auch total uninteressant – langweilig.

Tipps zum Arrangieren der Grundstruktur

1: Überlegt euch was ein starker ERSTER und was ein starker LETZTER Moment des Trailers sein könnte.

2: Eröffnet mit einer imposanten Vorstellung der Hauptfigur.

3: Endet auf dem besten Moment, den euch der Film bietet, oder den ihr selber bauen könnt! Die letzten 30 Sekunden eures Trailer sollten die sein, die man nicht mehr vergisst! Seid euch bewusst, dass es hoch wahrscheinlich ist, dass der einzige Moment aus eurem Trailer, an den ein Zuschauer sich erinnern wird, meistens diese letzten 30 Sekunden sind! MAKE!…THEM!…COUNT!

Wenn ihr all das getan habt könnt ihr richtig loslegen… Vereinfachen, vereinfachen, vereinfachen! Verliebt euch nicht in Szenen, Sätze oder Momente – lasst rigoros alles raus was nicht weiterhilft! Den Frame den man im Spielfilmschnitt erst recht noch auskosten würde, lässt man im Trailer IMMER weg! Tight geschnitten muss es sein!

Eure Trailer-Story muss schlicht, leicht verdaulich und dennoch etwas einzigartig sein. Am Ende muss der Betrachter sagen können: „Ich weis jetzt worum es geht (oder glaube es zu wissen) und der Film sieht gut aus! Will ich sehen.“ Wenn sich der Trailer gut anfühlt und in Summe Spaß macht, ist alles richtig! Wenn aber der Trailer einen schon langweilt…

Abschließender Hinweis: Missversteht das Wort Spaß bitte nicht! Natürlich soll ein Trailer zu einem Drama nicht wie ein Action-Film Trailer geschnitten sein! Aber wenn ich im Drama-Trailer die richtigen Emotionen spüre, dann hab ich in dem Moment als Drama-Begeisterter Zuschauer auch „Spaß!“ weil ich das bekomme, was ich erwarte! Drama-Trailer müssen deshalb aber nicht langatmig und langweilig geschnitten sein um „emotional abzuholen“ auch hier muss (oder sollte man) dick auftragen und stilisiert arbeiten. Näheres dann bei den Genre-Beiträgen!

Auch bei Trailern ist übrigens eine runde Geschichte am schönsten – deshalb hier ein starker Trailer zu The Sixth Sense ;). 38 Sekunden für alles was wichtig ist in Akt I.

The Sixth Sense -Trailer (1999)

Vielen Dank fürs Mitlesen!
Euer Marco

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#06 Recherche & Vorbereitung: Den Film filetieren für den Trailer-Schnitt

Genau wie beim Spielfilm-Schnitt (oder Schnitt im Allgemeinen) ist auch beim Trailer-Schnitt Organisation der Schlüssel um schnell, effizient und ungehindert kreativ arbeiten zu können! Am Ende wird ein spektakulärer Trailer mit schnellen und eindrucksvollen Bildfolgen entstanden sein, der dem Betrachter den Puls höher schlagen lassen wird…aber am Anfang bereiten wir uns erst einmal geradezu meditativ und gelassen darauf vor und lernen den zu bewerbenden Film in- und auswendig kennen um ihn gut positionieren zu können!

Der erste Schritt beim Trailer-Schnitt ist der wichtigste und von außenstehenden Hektikern gern als der „zeitraubendste“ verkannt. FILM SCHAUEN!
Und zwar so wie es ein Zuschauer auch tun würde (nur ohne Handy nebenbei :P).
Im ersten Durchgang versuche ich Notizen auf ein Minimum zu reduzieren, sondern konzentriere mich 100% auf den Inhalt.

Danach geht es los! Im Folgenden beschreibe ich Euch die Arbeitsschritte nach Lehrbuch zum trailern eines Spielfilmes. Vieles davon lässt sich aufgrund Bearbeitungszeit in der On-Air Promo – wo man es oft mit ganzen Serienstaffeln zu tun hat – nicht zwingend derart detailliert umsetzen aber um „Regeln“ zu brechen sollte man sie kennen…

Der Dialog-Breakdown

Dialog-Breakdown für On-Air Kombi-Trailer

Jeder im Film gesagte Satz (JEDER!) wird zunächst aus dem Material geklammert und als Sub-Clip abgelegt. Diese einzelnen Clips pro Satz werden wie folgt benannt:

Rollen Name“ – „Dialog“
Bsp.:
Marco – Klingt nach einer menge Arbeit!
(…)

Wenn man diese per Textsuche, durchsuchbare Dialogliste vor sich hat, beginnt man mit den folgenden Schritten die Geschichte des Trailers aus den Dialogen zu bauen:

1.: Sätze die, die Story erzählen heraussuchen.
2.: Oft muss man hierzu Sätze „cobblen“, um völlig neue Sätze, welche im Film so nicht gesagt werden, zu bauen.

Bsp.:
Am Anfang des Films sagt die Figur den Satz:

Marco – Klingt nach einer Menge Arbeit!

Und am Ende des Films eventuell diesen Satz:

Marco – Ich hätte niemals gedacht, dass ich mit euch so viel Spaß haben werde.

Für den Trailer können wir dann folgenden Satz (bspw. als Reaktion auf etwas cooles, das wir im Trailer zuvor gezeigt haben) aus diesen beiden Sätzen „cobblen“:

Marco – Klingt nach einer Menge Spaß!

3.: Suchen nach generischen Charakter-Reaktionen „Shout-Outs“ um Momente zu highlighten. Bspw. Neos WOW, nach der Häuserschlucht Action gleich zu Beginn des Matrix-Trailers. – Hier gehts zur Auffrischung zurück zum Artikel!

Der Visual-Breakdown

Visual-Breakdown für On-Air Kombi Trailer.

Der Visual-Breakdown dient dazu die wichtigsten Bilder aus dem Film für den Trailerschnitt zu kategorisieren und ermöglicht später im Schnitt schnellen Zugriff auf das benötigte Material. Hierzu schneidet man sich die jeweiligen Bilder in eine Sammeltimeline pro Kategorie. Der Visual-Breakdown kann in drei Überkategorien eingeteilt werden:

Main-Visuals

Diese Kategorie sieht für jeden Trailer gleich aus. Hier findet man:

Scope-Shots

Das sind alle Bilder aus dem Film, die Größe vermitteln. Totalen von Landschaften, Städten etc. Die sogenannten Wide-Shots eben.

ID-Shots

Imposante Einstellungen von Hauptdarstellern. Schöne Close-Ups beispielsweise oder eindrucksvolle Aktionen. Money-Shots.

Accents

Alles was man akzentuiert auf einen Beat in der Musik oder auf einen Soundeffekt legen kann. Drücken eines Knopfes, Umlegen eines Hebels, Öffnen einer Tür, Schlag auf einen Tisch, hochziehen einer Augenbraue, eindrucksvolle Kopfdrehung, durchladen einer Waffe usw.

Reactions

Schöne Blicke und non-verbale Reaktionen.

Genre-Spezifische-Visuals

Hier kommt alles rein, was sich vom Genre des Films ableitet. Zum Beispiel Slapstick-Gags bei einer Komödie, Fights bei Action, emotionale Momente bei Drama, und Jump – Scares bei Horror.

Film-Spezifische-Visuals

Hier kann man zusätzlich noch Dinge reinpacken, welche eventuell den USP des jeweiligen Filmes abbilden. Bei Harry Potter wären das alle Zaubersprüche und bei Herr der Ringe alle Bilder in denen der Ring zu sehen ist. – Man kann aber auch philosophieren ob der eine Ring nicht auch ein Character ist – dann packt man ihn eben zu den ID-Shots bei den Hauptdarstellern. 😉 Das hier ist nach purem Gusto und ihr könnt das so organisieren wie es für eure Zwecke passt – respektive wie es eure Zeit erlaubt!
Manchmal reicht die Zeit auch nur für schnell gesetzte Marker.

Was hat man davon sich diese Arbeit zu machen?

Im besten Fall den Trailer im Kopf/auf dem Papier fertig zum zusammen bauen!
Hier in dieser Phase entsteht der Trailer!
Was viele nicht verstehen, der Trailer entsteht NICHT beim eigentlichen schneiden/zusammen bauen. Wie der Film selbst entsteht er auf dem Papier! Respektive im Kopf des On-Air Producers/Editors. Die besten Ideen wie man all diese Elemente zu einem spannenden neuem Ganzen – den Trailerzusammenfügt, entstehen in der Zeit, in der man sich beim auseinandernehmen des Filmes eben genau mit diesem Film beschäftigt!Das hat durchaus was sinnliches manchmal!

Durch die filetierten Elemente erhält man schnellen Zugriff auf die einzelnen Bestandteile, so wie man sie für den Trailer braucht, losgelöst von ihrem eigentlichen Kontext im Film. Dekontexturieren ist unumgänglich und Hauptaufgabe im Trailer-Schnitt.

Da der Film nun in seinen Einzelteilen vor uns liegt, schauen wir uns im nächsten Beitrag ein paar Tipps an, wie man aus dem ganzen Rohmaterial das Story-Gerüst baut und vor allem – überhaupt eine Story für den Trailer innerhalb des Materials findet.

Vielen Dank fürs Mitlesen!
Euer Marco

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#05 Film-Produkt-Positionierung: „Schiff der Träume“ oder „Stahlkollos des Todes…“ TITANIC Die Kunst – Kunst zu verkaufen!

Für gewöhnlich ist ein Teaser/Trailer das erste was potentielle Zuschauer vom jeweiligen Film oder Serie etc. zu Gesicht bekommen. Es ist der erste Eindruck, der oft darüber entscheidet, ob der Betrachter des Trailers später zu einem Zuschauer konvertiert oder nicht. Die Verantwortung den Film entsprechend gut zu positionieren ist entsprechend groß und seine potentielle Zielgruppe zu kennen ist daher unerlässlich.
ACHTUNG: Hier findet sich das häufigste und größte Missverständnis wieder! Die Zielgruppe eines Trailers ist nicht zwingend identisch mit der Zielgruppe des eigentlichen Filmes! Widersprüchlich? Keines Wegs!

Was ist Positionierung?

Beim Positionieren geht es aus Marketing-Sicht darum, die Stärken und Qualitäten eines Produktes, in dem Fall eines Filmes, herauszustellen und passend an eine Zielgruppe zu kommunizieren.
Dieser Punkt ist deshalb so wichtig für die Arbeit im Trailer-Schnitt, da der Stil in welchem der Trailer gefertigt wird maßgeblich von der beabsichtigten Positionierung beeinflusst wird!

Die Basics – Das Konzept

Zunächst wird folgendes als Grundlage herangezogen:

-Worum geht es im Film?
-Wer soll angesprochen werden?


Aufbauend auf dieser Fragestellung wird ein Konzept entwickelt. Das Konzept des Trailers wird so entwickelt, dass folgende Punkte darin berücksichtigt sind:

-Einfaches und griffiges Storytelling
-nicht verwirrend
-der USP des Films wird herausgestellt und einprägsam präsentiert


-> Die Betrachter des Trailers, sollen einen Anreiz erhalten sich über den Film zu Unterhalten! Hierzu muss es den Leuten möglich sein, Dinge zu kategorisieren und selbst zu labeln.
„Ah das ist doch der Film, in dem…
…Schauspieler XY mitspielt!“
…sie sich in eine Computersimulation einklinken!“
…mit Kugeln um die Ecke schießen können!“
…Lebenszeit ihre Währung ist!“
…sie die Träume von Leuten manipulieren!“
…er sich als Lehrer ausgibt und den Schülern zeigt wo es lang geht!“

(…)

Die Tonalität

Mit der Tonalität wird festgelegt, wie das entwickelte Konzept inhaltlich präsentiert wird.
Hier wird also der Schnitt-Stil des Trailers definiert und welche Zielgruppe mit dem Trailer(!) angesprochen werden soll. Um die Frage vorweg zu nehmen – ja. Oft verkauft man einen Film an eine Zielgruppe für die er eventuell nicht primär gemacht wurde!
Dennoch spielt natürlich das Genre sowie das Subgenre, welchem der Film angehört eine maßgebliche Rolle für die Tonalität des Trailers, denn die DNA des Films muss sich im Trailer wiederfinden, selbst wenn dieser aus Gründen der Vereinfachung die Geschichte anders oder nur einen Teil von ihr erzählt. Die besten Momente des Films werden dann so stylisch wie möglich für die Trailer-Zielgruppe präsentiert.

FALLBEISPIEL: James Cameron’s TITANIC (1997) bis 2012: Vom (zu) langen Liebesfilm zum Phänomen der Filmgeschichte mit Kultstatus!

Sehen wir uns das Thema Positionierung und Tonalität am Beispiel von TITANIC an. Eins kurz vorweg: Titanic ist und bleibt wohl mein absoluter Lieblingsfilm, den ich von Kindesbeinen an bis heute nicht nur sprichwörtlich über 100 mal gesehen habe, sondern dies wohl tatsächlich geschafft habe.

Ich bin mir sicher jeder hier von uns weiß genau wie ein Trailer zu Titanic auszusehen hätte. Hoch emotionale Musik, die schönsten und prunkvollsten Bilder vom Schiff, sowie die schönsten ID-Shots (Begriffserklärung folgt bald!) von Kate Winslet und Leonardo DiCaprio. Fertig ist der Trailer! Hier ein On-Air Promo Beispiel, welches als größeren Überbau noch die Weihnachtsprogrammierung kommuniziert aber tonal in genau diese Kerbe schlägt:

TITANIC On-Air Promo RTL „Weihnachten ist gerettet“ (2000)

Und weil die Positionierung von TITANIC glasklar zu sein scheint hier noch ein Beispiel von ProSieben von 2007:

TITANIC On-Air Promo ProSieben „Weihnachten“ (2007)

Wichtig hierbei zu wissen ist jedoch folgendes: Der Film erschien ursprünglich 1997. Er mutierte zum erfolgreichsten Film aller Zeiten und machte Kate Winslet und Leo über Nacht zu Superstars! Wie immer jedoch, ist der Erfolg am Ende der Geschichte nur die Spitze des Eisbergs! Sehen wir uns an wie der Film zu seinem Kinorelease ursprünglich positioniert wurde – ihr werdet Augen machen!

TITANIC 1997

TITANIC 1997 – Original Trailer (US-Short)

Celines Geflöte suchen wir hier also vergeblich und auch sonst ist nicht viel los mit „I’m flying Jack, I’m flying!“. Manch einer fragt sich jetzt eventuell wie zum Henker man auf die Idee kommt diesen tollen Film derart „düster“ und maskulin zu promoten… nun weil es zu der Zeit das einzig Richtige war.

Wie bereits 1977 bei Star Wars, hatte 20th Century Fox auch 20 Jahre später bei TITANIC große Sorge, dass dieses Mammutprojekt eventuell zum Millionengrab wird. (Mit 250 Millionen Dollar, damals teuerster Film aller Zeiten!)
Die Zielgruppe für einen 194 Minuten langen LIEBES-Film ohne Superstar in der Hauptrolle (lediglich zwei potentielle Newcomer Anfang 20!!) erschien äußerst klein. Den Gesichtsausdruck mancher Männer, wenn deren Frauen sagten „Schatz gehen wir in Titanic?“ kann man ja sogar heute noch bewundern, wenn es um den heimischen Filmabend geht!

Nicht zuletzt dürfte James Cameron’s Filmographie ebenso ein wichtiger Faktor gewesen sein. Seine drei Filme direkt vor TITANIC waren:

-True Lies (1994)
-Terminator 2 – Tag der Abrechnung (1991)
-Abyss – Abrgund des Todes (1989)


Und dieser Mann der uns die größten Action-Klassiker geschenkt hat kommt nun mit einer Liebesschmonzette um die Ecke. Es machte also durchaus Sinn zu versuchen die Fans seiner bisherigen Werke von TITANIC zu überzeugen, in dem man den Film eher als actiongeladenes Spektakel positioniert! – Geschadet hat es wohl nicht ;).

Etwas mehr Story gab es dafür im ultra Langen „Showest“ Trailer, der aber auch hinten raus eher auf die Action einzahlt. Die romantischeren Elemente des Films wurden dann seinerzeit in den TV-Spots präsentiert (da man hier mehr Frauen erreichen konnte!) Hier noch der Showest-Trailer:

TITANIC Showest Trailer 1997.

TITANIC (3D) Re-Release 2012

2012 war dann endlich das Jahr, in welchem ich meinen bis dahin schon 100 mal gesehenen Lieblingsfilm endlich so sehen konnte wie es sich gehört! Digital-Remasterd auf einer großen Leinwand in perfektionistisch konvertiertem 3D!
Es war auch das Jahr, in welchem der Film endlich den Trailer bekam, den er verdiente – wenn auch sicher nicht den, welcher ihn 1997 zum Erfolg geführt hätte!

TITANIC 3D Re-Release Trailer 2012

Hier handelt es sich nämlich eher um einen Marketing-Trailer, welcher ein Event promoted (den Re-Release!) und nicht den eigentlichen Film. Der Trailer bezieht seine Power aus dem Kultstatus den der Film in Anderthalb Jahrzehnten bereits erreicht hatte und wiegt uns in emotionaler Nostalgie, da er uns den Film an sich nicht mehr verkaufen oder erklären muss.
Er muss uns lediglich daran erinnern wie groß , spektakulär und emotional überwältigend der Film war und immer noch ist. Und am wichtigsten…wir können wieder an Board gehen und zwar in 3D!

Was man mitnehmen sollte

Nebenbei haben wir hier auch eventuell gesehen, wie sich die Art zu trailern über die Jahrzehnte verändert hat und dass auch Trailer sich mit der Zeit in ihren Stilmitteln weiterentwickelt haben.
Hauptlearning ist aber, dass man einen Film durchaus unterschiedlich positionieren kann und ggf. auch sollte! Das kann manchmal extrem erscheinen, hilft aber oft dabei die potentielle Zielgruppe des Filmes zu vergrößern und breit positioniert/aufgestellt zu sein. Man muss ihn nur an unterschiedliche Zielgruppen entsprechend passend kommunizieren. Daher macht es Sinn, sich über die „Core-Values“ des vorliegend Filmes im Klaren zu sein um diese je nach Bedarf in den Vordergrund stellen zu können.

Trailer-Schnitt hat also selten etwas mit dem eigenen Geschmack zu tun, oder damit wie man als Independent-Filmemacher sein eigenes Werk gerne promoted sehen möchte. Es ist und bleibt Werbung und handwerkliches Marketing.
Ich hoffe ihr hattet Spaß bei dieser kleinen Zeitreise auf das Deck der TITANIC! Ich glaube ich gehe jetzt mit meiner old school DVD von 2005 an Board und genieße die leicht rot stichigen Bilder des originalen Bildmasters vor der Restaurierung!

Vielen Dank fürs Mitlesen und noch einen schönen sonnigen Sonntag!
Euer Marco

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#04 Werkzeuge des Trailer-Schnitts: Wie man den Zuschauer in den Kinosaal/vor den Fernseher lockt!

Nachdem wir nun wissen auf welche vier wichtigen Säulen wir unseren Trailer stellen müssen, schauen wir uns nun mal das nötige Grundwerkzeug an, womit wir ihn hoffentlich auf diese Säulen hoch bekommen.

Aufgabe des Trailers ist es einen Film (oder Serie etc.), atemberaubend aussehen zu lassen! Entweder weil einem vor Spannung oder Angst der Atem stockt (Action-Film, Horror-Film Trailer), weil man so damit beschäftigt ist die Tränen zu verkneifen (Drama-Film) oder man vor Lachen nach Luft japst!

Gehen wir mal davon aus euch liegt ein wirkliches A-Class Produkt (Film, Serie) vor, zu dem ihr trailern dürft… cool dann habt ihr immer noch viel Arbeit vor euch, einen verdammt guten Trailer zu schneiden, müsst die folgenden Werkzeuge jedoch „nur“ zum veredeln einsetzen. – Aber EINSETZEN! Ein guter Film muss im Trailer trotzdem wie DER BESTE Film aussehen!

Angenommen jedoch, euch liegt ein richtiger sch… schwacher Film vor, welchen ihr bewerben und verkaufen sollt, dann sind diese Hilfsmittel eventuell eure letzte Rettung…

Dank inzwischen vieler Schema-F Trailer von der Stange, kennen wir sie alle! Die berühmten Piano-Pings. DIIIIIIIIIINGGGG (Weltall!)
Dazu kommen dann noch „Sings, FRRRIIINGS, Swishes, Swooshes, Swipes, Hits… (the list goes on!) – achja –Vinyl-Platten SCRATCHER! 😀 (Der Wilhelm-Scream des Trailer-Schnitts!)
Spaß beiseite, wenn ihr sie benutzt klingt euer Trailer: International, groß, „vertraut“, teuer.
Wenn ihr sie weglasst… tut er’s nicht.
Bevor man mir jetzt vorwerfen möchte „Marco, nicht jeder Trailer kann ein Action-Film Trailer sein!“ – Richtig! Aber für jedes Genre gibt es nochmal eigene Sound und Polish-Möglichkeiten die man benutzen sollte – dazu dann mehr wenn wir uns diese Genres im Detail ansehen.

Audio-Grundausstattung

Drones

SFX-Drone Wellenform
SFX-Drone

Hits

SFX-Hit Wellenform
SFX-Hit

Riser

SFX-Riser Wellenform
SFX-Riser

Swishes

SFX-Swishes Wellenform
SFX-Swishes

Suckbacks

SFX-Suckback Wellenform
SFX-Suckback

Whooshes

SFX-Whoosh Wellenform
SFX-Whoosh

Alles was sonst noch cool klingt!

Drum Hits, Drum Rolls, Hisses, Heartbeats… oder alles was sonst noch irgendwie zum jeweiligen Thema passend erscheint!

Grafische-Elemente

Auch auf Bildebene gibt es einige Elemente, welche entweder von Haus aus in jedem Trailer dabei sein müssen und solche, derer man sich kreativ bedienen kann.

„Technische“ Grafikelemente sind in der Regel:

– Studiologos (Bitte nur dann am Anfang des Trailers, wenn es ein großer Player ist! Sonst etwas später und erstmal visuell beeindrucken!)
– Release Date – Tafel
– Film – Titel
– Endpages
– Credit-Tafel / Billing Board

Creative – Grafikelemente

Vorrangig ist hier alles, was dabei hilft die Story möglichst knapp und effizient zu erzählen bspw. durch Schlagworte. Der Komödien-Trailer lebt oft davon! Aber auch andere Genres bedienen sich daran. Anspruchsvolle Filme binden hierüber gerne Stimmen aus der Presse ein.

-Story-Cards/Copy-Cards
-Namens-Tafeln (Bitte nur bei großen Namen. Hart aber wahr!)
-Kritiker-Zitate

Gleichzeitig möchte ich hier ein Nebenthema am Exempel statuieren. „Steht das lange genug?“, „Kann man das Lesen?“, „Vielleicht einen Frame länger stehen lassen?“
Hier der Trailer zu Whiplash. In dem Zusammenhang bitte am Ende auf die Montage achten. Ich denke danach müssen wir über „Steht das zu kurz?“ hoffentlich nicht mehr so viel diskutieren. (P.S.: Beim trailern gibt’s diese Diskussion meist eh eher in ihrer invertierten Form – „Steht das zu lange?!“.)

Whiplash – Trailer

Die Augen des Zuschauers sind heutzutage geübter denn je! – Unterschätzt sie nicht… vor allem aber… unterfordert (langweilt) sie nicht!

Schnitttechnische Mittel

Neben diesen Elementen gibt es noch ein paar Handwerkliche Stilmittel, welche unerlässlich sind um Momente groß zu machen und visuell beeindruckend zu erzählen. Immer schön in Kombination mit tonalen Akzenten:

– Hard-Cuts to black
– Fades to black/white
– White-Flashes
– Stutter Cuts/Flash-Cuts
– Picture-Pushes
– Effektblenden jedweder Art

Zum Abschluss noch zwei oft unterschätzte zunächst unscheinbar wirkende Stilmittel.

Tonal: Das FREISTEHEN lassen von Punch-Lines. Oft kann ein Satz besonders hervorgehoben werden, wenn man kurz zuvor alles auf Tonebene weglässt. Musik weg, SFX weg…PUNCHLINE…und dann wieder Vollgas weiter! Sprich – man baut den Moment vorher auf, lässt ihn wirken und nutzt ihn dann als Startrampe für was cooles!

Kleines Beispiel fürs Freistehen lassen: (Hab euch entsprechend hingespult, nicht wundern!)

Pitch Perfect Trailer – Freistehen lassen eines Gags.

Und ein visuelles im Grunde strukturelles Mittel: Der Nachklapper/Button

Das ist im Grunde der letzte Moment NACH dem Titel. Also nachdem der Trailer im Grunde vorbei ist. Nochmal ein kleines Zuckerl, ein Gag etc. Oft setzt man einen Moment auch ein wenig ab. Man leitet den Moment sozusagen schon mal ein, unterbricht diesen mit der Titel-Card und setzt dann die Pointe on Top. Es kann aber auch einfach ein finaler Moment ganz hinten dran sein. Ein abschließendes Beispiel für Story-Cards und Nachklapper:

Mein Beste & Ich Trailer. Story-Cards und Nachklapper/Button

So! Endlich! Damit dürfte nun so ziemlich alles an wichtigem Know-How vermittelt sein!
Wir kennen die Trailer Strukturen, wir kennen die wichtigsten Werkzeuge um sie mit Leben zu füllen und wir wissen, was das Ziel eines jeden Trailers sein muss:

Den Film des Jahres zu verkaufen!

In den nächsten Beiträgen werden wir dann sowohl mal ins Eingemachte gehen, wie man sich im Trailer-Schnitt organisiert, welche Writer-/Producer-Techniken man anwendet und wie man trotz der ganzen Hilfsmittel und Strukturen, die für jeden Trailer ähnlich sind, einen Schema-F Trailer umgehen kann…

Danke fürs Mitlesen!
Euer Marco

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#03 Die Vier Säulen des Trailerschnitts

Trailerschnitt ist nicht der Kampf um die Aufmerksamkeit des Zuschauers.

Es ist der Kampf um die Sehabsicht des Zuschauers!

Die nötige Aufmerksamkeit bekommt ein Trailer, wenn er gut gemacht ist sowieso. Daher sollte der Trailer, in der Zeit die ihm bleibt, mit seinem starken und stylisch präsentierten Inhalt um die Sehabsicht des Zuschauers kämpfen.
Und nicht mit wahllosem Bilderfeuerwerk versuchen zu Kaschieren, dass er nichts zu erzählen hat. Der Trailer muss einen derart guten Film erahnen lassen, dass derjenige der den Trailer sieht – UNBEDINGT in den dazugehörigen Film muss.


Es gibt nur ein Ziel: Der Zuschauer muss denken „Wow, den Film muss ich sehen!“!

Hier kommt der lustige Teil unseres Jobs als Trailer-Editoren.
Schnittkollegen aus dem Spielfilmbereich denken sich hier oft, naja – also die 2,5 Minuten sind doch schnell geschnitten. Und ja sie haben recht! Die 2,5 Minuten Trailer sind meistens „schnell geschnitten“, aber meist nicht mal eben schnell geschnitten!
Ein Kollege sagte zu mir: Bei einem 90 Minuten Film hast Du ja so viel Material, da bekommst du die 2,5 Minuten ja schnell „voll“, ob ich mir da so viele Gedanken machen müsste beim Trailer-Schneiden…
Ich habs dann so erklärt:
Meistens wenn ich eine Serienstaffel „betrailern“ darf, bekomme ich gern mal 15 Episoden dieser Serie mit einer Laufzeit von ca 20 Minuten pro Episode.
Das sind also 300 Minuten Material und mein Trailer dazu geht exakt 30 Sekunden.
Ich mache mir ehrlich gesagt erstmal nicht so viele Gedanken um die wenigen Momente die ich reinnehmen werde um diese 30 Sekunden zu füllen.
Ich mache mir aber lange und viele Gedanken um die 229,5 Minuten, die ich NICHT benutzen kann! Beim Spielfilm sind es immer noch 87,5 Minuten, die gut überlegt sein wollen!

Deshalb zum besseren Verständnis, was wir Promo-Editoren wirklich tun – hier die Vier Säulen auf denen ein guter Trailer steht.

Säule 1: Die drei S – Spannendes, Simples Storytelling

Damit der Trailer die spannendste Geschichte aus, oder zum Film erzählen kann, muss man genau wissen was man in den Trailer packen sollte. Noch viel wichtiger ist es jedoch zu wissen, was man besser rauslässt, um die Story simpel zu halten!
Wer sich hier gute Gedanken macht, erreicht am Ende, dass der Zuschauer sich erinnern kann worum es in dem Film geht, oder zumindest denkt er wüsste jetzt ziemlich gut bescheid. Und dass er es cool findet und auch sehen will!

Unbedingt zu vermeiden sind unnötige Details sowohl Bildschnitt-technisch, als auch im Storytelling! „Boil-It Down!“ Der Trailerzuschauer muss nicht alles aus der Film-Story so verstehen wie es der finale Filmzuschauer muss.

Säule 2: Style

Hierfür gibt es eine ganze Reihe von nützlichen „Tools“ denen man sich als Trailer-Editor bedient und die lernen wir dann auch bald mal kennen. Hier jedoch schon mal der Grund wozu man sie braucht:
Nur eine gute Geschichte zu haben reicht einfach nicht! Mann muss sie zu einem Event machen! Es muss stylisch gemacht sein, damit es als „Wow“-Moment beim Zuschauer hängen bleibt. Der Trailer soll und muss vor allem eins – Spaß machen!
Einen Film sieht man sich an, und man taucht in ihn ein!
Auf einen Trailer schaut man drauf! Wie auf einen Klappentext. Entweder man hatte spaß und war gut unterhalten – oder eben nicht. Deshalb Hauptsache es ist cool, macht spaß und weckt maximale Neugier!

Säule 3: Rhythmus

Trailerschnitt ist eigentlich eine hochmusikalische Angelegenheit, denn hier ist perfekter Rhythmus alles! Jeder Beat, jedes Timing in Bild und Ton und in der Musik müssen sitzen! Das ist es, was am Trailerschnitt am schwersten zu lernen ist. Musikalisches Gefühl und Rhythmus.
Der Trailereditor ist derjenige, der die Musik für den Trailer recherchiert, auswählt, editiert und oft im Pre-Mix auch die Nuancen vorgibt. Gleiches gilt für das Sounddesign und die Soundeffekte.
Es gibt hier niemandem nach dem Trailer-Editor, der all diese Dinge hinzufügt wie beim Spielfilm.

Auch hier erkennt man oft die kleineren Independet-Trailer und Hobby-Trailer. Ihnen mangelt es sehr oft an einem guten Sound-Design und am richtigen Rhythmus. Abgesehen davon ist das Storytelling dann leider auch meist etwas schwächer – also schon zwei Säulen die in diesem Bereich oft wackeln. Auch dazu bald mehr.

Eben weil diese dritte Säule so wichtig ist, schon mal der Hinweis – oft beginnt man den Trailerschnitt DAMIT und nicht mit den richtigen oder vermeintlich falschen Bildern aus einem Film ;). Suprise!
Bald folgen die Details dazu!

Säule 4: Polish – Und zwar bis es glänzt!

Die Zeit des Trailers ist sehr begrenzt, der erste Eindruck zählt und eine zweite Chance – gibt es nicht! Der Auftrag ist es den Film zu VERKAUFEN! Wie ein Marktschreier! Manchmal gehts aber auch subtiler.

Alles muss richtig auf den Beats landen und im Rhythmus sein. Dialoge sollten klar herausstechen und die Soundeffekte sollten überlegt und gut akzentuiert sein. Musikschnitte müssen organisch sein und im richtigen Takt.
Nichts Überlfüssiges sollte zu sehen oder zu hören sein. Hier MUSS man mit Gefühl für Detailarbeit ans Werk gehen!

Im Zweifel ist das perfekte Polish oft kriegsentscheidender als die perfekte Story! Ihr glaubt mir nicht? Dann mal eben hier ein Trailer, der in meinen Augen und Ohren eine musikalisch-rhythmische Glanzleistung ist. Da interessiert einen dann die etwas maue Story (für die der Trailer aber wenig kann) auch schon gar nicht mehr so…

Official Trailer 1 Resident Evil: the Final Chapter.

Als Vergleich noch ein alternativer Edit, ebenfalls ein Official Trailer, damit wir uns schon mal dem Thema unterschiedliche Trailer für Kampagnenbreite annähern:

Official Trailer Resident Evil: the Final Chapter.

Oh man 😀 Ich hatte gerade richtig Spaß diese Trailer zu gucken! Beinahe hätten sie es geschafft, dass ich mir diesen schwachen Film nochmal ansehe :P!

Nachdem ich jetzt gefühlt zwei Wochen darüber geredet habe, warum man im Trailer manche Dinge macht und was wir Trailer-Editoren bezwecken:

Spannendes, dennoch einfaches und extrem poliertes Erzählen – mit Stil und Rhythmus!

Kann es jetzt langsam um das detaillierte WIE GENAU gehen!

Vielen Dank fürs Mitlesen.
Euer Marco

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#02 Grundlagen: Struktur und Aufbau eines Trailers „Es ist die Frage, die dich hergeführt hat, Neo!“

Anhand der Beispiele aus dem ersten Grundlagen-Beitrag wissen wir, welche unterschiedlichen Trailer-Gattungen es gibt. Und wir wissen auch, dass egal welche Länge der Trailer oder der Teaser zu Matrix hatte, die Frage am Ende stets irgendwie „Was ist die Matrix?“ lautete. Die Frage also, welche das Jahr 1999 maßgeblich geprägt hatte. Es ist auch die Frage, welche die Zuschauer am Ende ins Kino gelockt hat.
Und weil es die Frage ist die auch Euch hergeführt hat, schauen wir uns jetzt an, wie die unterschiedlichen Trailer in den meisten Fällen strukturiert und aufgebaut sind!

„Leider kann man nur schwer erklären wie sie aufgebaut sind, man muss es selbst erleben!“ Deshalb im Folgenden ein paar Screenshots von unterschiedlichen Trailer-Timelines (nicht Matrix!).

Film-Trailer

Beim klassischen Film-Trailer mit bis zu 2:25 Minuten Laufzeit hat man es meistens mit einer klassischen 3-Akt Struktur zu tun.

Trailer-Struktur eines 2:25 Minuten langen Film-Trailer.

Akt I: Die Welt des Filmes wird dem Zuschauer vorgestellt, ebenso wie die wichtigsten Figuren des Films.

Akt II: Hier wird der Konflikt der Geschichte erzählt, ebenso werden die wichtigsten Plot-Details der Geschichte gezeigt. VORSICHT(!) Story – Ja, Spoilern – Nein!
Der Zuschauer sollte verstehen worum es prinzipiell geht, respektive sollte er sich die richtigen Vorstellungen machen können und das richtige Gefühl für den Film bekommen.
Man sollte hier weder zu nah am Original erzählen, noch eine völlig andere Geschichte als der Film erzählen. Aber zwischen diesen beiden Limitierungen ist die kreative Spielwiese breiter als man denkt und prinzipiell ist ALLES erlaubt was Spaß macht! Selbst wenn das Storytelling dann im Trailer doch evtl. hier und da mal hinken mag – Hauptsache es ist COOL und unterhaltsam!

Style triumphiert hier oft über Story! – Leider… manchmal aber auch zum Glück!

Deswegen ist es oft gar nicht so leicht zu sagen, ob ein Trailer jetzt wirklich inhaltlich gut und stark war, oder ob er nur irgendwie wild und „flashy“ genug war, sodass man als Betrachter vor lauter überforderter Glückseligkeit mitgegangen ist. Ein guter Trailer ist beides! Er erzählt selbst eine packende Story, funktioniert ein Stück weit autark vom eigentlichen Film und ist gleichzeitig stylisch!

Erzähle eine Geschichte – und erzähle sie so stylisch wie möglich!

Akt III: Hier fährt die Story auf ihren absoluten Höhepunkt und gleichzeitig geht es aus Trailersicht nur noch um Spaß haben! Dicke Musik, stylische Montagen und fetzige Bildfolgen. – Was nach purer Willkür klingt sollte alles sein, bloß NICHT DAS! Hier muss wirklich jedes Frame – und das meine ich wörtlich –sitzen! Neben oft fehlendem Style ist das sogenannte „Polish“*, das woran man sofort einen Amateur-Trailer vom Profi-Trailer unterscheiden kann. Amateur-Trailern mangelt es, neben Style auch oft am Polish!

*Dazu im Verlauf des Blogs mehr!*

Film-Teaser

Bei einem Film-Teaser hat man es dagegen oft mit einem Zweiakter zu tun.

Trailer-Struktur eines 1:35 Minuten langen Film-Teasers.

Akt I: Die Grundstimmung und das Setting des Films werden gezeigt. Das Zentrale Thema des Films oder ein Teilaspekt der Geschichte wird in den Vordergrund gestellt. Es wird nicht viel aus erzählt! Aus Sicht des Films ist die Story höchstens angeschnitten oder angedeutet. Aus Sicht des Teasers selbst ist es ein kleiner Storybogen für einen Teilaspekt des Films. Oft bedienen sich auch TV-Promos der zwei Akt Struktur!

Akt II: Mit einem „großen Knall“ gehts hinten raus, damit der Zuschauer mit einem einprägsamen „Wow – Moment“ aus dem Film zurückgelassen wird. Über den Daumen gepeilt kann man sagen, dass die letzten 30 Sekunden eines Film-Teasers oft genretypisch belegt sind:
Bei einem Action-Film ist es die größte Schlacht oder der actionreichste Moment.
Drama Filme präsentieren hier einen hoch emotionalen Moment.
Komödien einen super lustigen Gag.
Und bei einem Horrorfilm packt man hier den größten Jump-Scare rein.

Tipp: Man kann lahmere Momente aus dem Film mit Trailer-Schnittmitteln aber auch so aufblasen, dass der Zuschauer denkt das ist der größte Bombast-Moment des Films, wohingegen er diesen dann tatsächliche erst im Kino zu Gesicht bekommt. Wenn man wenig gezeigt hat, der Zuschauer aber das Gefühl hat viel gesehen zu haben ist es in der Regel nicht verkehrt!

Phrase: „Alles Gute war schon im Trailer!“ Kann damit oft vermieden werden!

Promo-Trailer

Ein Promo-Trailer bedient sich in seinem Aufbau oft an den gleichen Strukturen wie ein Film-Trailer oder Teaser, mit dem Unterschied, das hier jeder Akt wesentlich kürzer ist.
Die Story ist sozusagen hoch kondensiert -stark vereinfacht- und eingedampft auf die pure Essenz!

Trailer-Struktur eines 30 sekündigen Promo-Trailers.

Der Inhalt der Akte entspricht hier dem der vorangegangen Beispiele. Größter Unterschied ist die Laufzeit. Bei einer Promo kann der erste Akt oder auch die Exposition oft gerade mal 5 Sekunden in Anspruch nehmen, bevor dann für die eigentliche Story weitere 10-15 Sekunden zur Verfügung stehen, um in den letzten 5-10 Sekunden des Trailers nochmal ein kleines Feuerwerk abzufeiern. Insbesondere bei Promo-Trailern ist POLISH(!) das Wichtigste! Hier gibt es keinen Platz für Fehler im Sinne von „Sloppy“ Edits etc. Jedes Frame (wie schon mal erwähnt ich meins wirklich wörtlich!) muss sitzen und poliert sein! Jeder Beat und jeder Akzent in Bild und Ton (Soundeffekte, Musik) müssen sitzen. Alles was im Trailer zu sehen oder zu hören ist sollte aus einem Grund zu sehen oder zu hören sein! Kein Frame darf verschwendet und kein Moment verschenkt werden.

Je kürzer der Trailer, desto weniger Platz kann vergeudet werden!

Wie man diese allgemeinen Akt-Strukturen im Detail mit Leben und Inhalt füllt, schauen wir uns dann in weiteren Beiträgen an. Bis dahin könnt ihr auch gerne eure Lieblingstrailer mal auf diese Strukturen hin untersuchen. Bevor wir aber fürs erste schon wieder fertig sind:
Da wir jetzt soviel Theorie gebüffelt hab – lasst ein bisschen Spaß haben!

Let’s deconstruct the Matrix-Trailer!

Es fehlen eigentlich noch ein paar weitere Grundlagen ABER ich denke an diesem Punkt sind wir fit genug mal ein bisschen tiefer in den Kaninchenbau zu klettern, lasst mal sehen ob wir die drei Akt Struktur im Matrix-Trailer wiederfinden können. Diesmal auch die digital restaurierte Fassung. Versucht als erstes bitte euer Hirn zu Re-Setten auf Frühjahr 1999. Ein paar Monate bevor der bis dahin bahnbrechendste Sci-Fi Film das Licht der Welt erblickt. Bullet-Time – haben wir noch nie gehört. Leute die in Lederkluft mit Sonnenbrillen, böse Computerprogramme vermöbeln – seltsam – können wir gerade gar nix mit anfangen aber klingt schon cool. Die damaligen Wachowski Brüder -heute Schwestern – No names!
Unsere Telefone hängen entweder noch an einer langen Schnur oder sind fast so groß, dass man einen Rucksack für sie braucht. Internet ist meistens noch 56 k/bits schnell und auch sonst ist alles noch so bisschen pre-digital angehaucht. Smartphones und Wi-Fi sind selbst noch Sci-Fi. Und dann präsentiert man uns das:

Matrix (1999) Trailer. (Digital restauriert für BluRay-Release)

Der Trailer beginnt also mit einem super coolen Moment. Da wir den Film aber inzwischen gut kennen, wissen wir das dieser hier bereits ein wenig für maximale Wirkung aufgepustet wurde.

Nachdem der Trailer nun definitiv unsere Aufmerksamkeit hat (es ist immer noch Frühjahr 1999!) beginnt die Story! Nach 13 Sekunden.

Jetzt sind 38 Sekunden vergangen und der erste Akt endet mit der wichtigsten Frage über die man 21 Jahre später noch philosophiert…bitte sagt mir, dass ihr jetzt gerade Beifall klatscht! Nebenbei haben wir die wichtigsten Haupftfiguren gesehen und zunächst alles an die Hand bekommen, was wir brauchen für den zweiten Akt, in dem die Story sich entfaltet.

Im zweiten Akt wird der Gegner eingeführt aber er wird nicht groß erklärt. Aber wir bekommen eine Ahnung, dass es um die Menschheit an sich geht und jemand was gegen uns hat. Coole Action-Montagen unterstreichen das Ganze und am Ende heißt man uns in der „Wirklichkeit“ willkommen. Nach 1:12 Minuten endet der zweite Akt des Trailers und wir wissen jetzt alles was wir wissen müssen und haben die Vorstellung von einer Geschichte erhalten. Übrigens so ziemlich genau zum Midpoint des Trailers ;).

2 Minuten und 15 Sekunden. Und wir wissen worum es grundsätzlich geht, obwohl man uns vergleichsweise wenig erzählt hat. So wirklich, wirklich viel gesehen haben wir eigentlich auch nicht – verglichen mit dem Film – wurden wir nicht gespoilert, haben gefühlt 70% der Filmwelt noch nicht wirklich gesehen und dennoch… Wissen wir, dass die Matrix eine Scheinwelt ist, dass irgendetwas die Menschheit auslöschen möchte und das Neo gekommen ist um die Welt zu retten…nunja böse gesagt… mehr ist es ja auch erstmal nicht.
Am schönsten ist jedoch, dass der Trailer dennoch den Bullet-Time Effekt nicht spoilert obwohl er ihn irgendwie zeigt. Schaut den Film mal nochmal, dann seht ihrs selbst.

Danke fürs Mitlesen!
Euer Marco.

P.S.: Lasst mal kurz noch bisschen Aluhut aufsetzen. Es gab seit jeher in Fan-Kreisen die These dass man Matrix auf unterschiedliche Arten „Lesen“ kann u. A. dass nie so ganz klar wird ob Morpheus Neo wirklich aus der Matrix rausholt oder aber gar erst in sie Hineinführt. Auch wurde oft angezweifelt das die von Morpheus als real verkaufte Welt wirklich der Realität entspricht…schaut mal den Trailer nochmal durch DIESE Brille. Hab euch die entscheidenden Moment oben bei den Bildern mit einem Stern markiert. Zur Morpheus Theorie findet sich einiges im Netz, ihr könnt auch gern auf meinem Kanal in dieser Playliste die Filmanalysen ansehen:
https://bit.ly/2VEZBri

Matrix Filmanalyse.


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#01 Grundlagen: Trailer-Arten: „Was ist die Matrix?“ Vom Film-Trailer bis zum On-Air Promo Spot!

Lasst uns mal zunächst die unterschiedlichen Arten von Trailer und deren Unterkategorien versuchen zu definieren, und dabei deren spezifischen Eigenheiten fest halten.
Trailer unterscheiden sich je nach dem, welcher Trailer-Gattung sie angehören, sowohl in ihrer Laufzeit, dem jeweiligen Verbreitungsweg auf dem sie gespielt werden sollen (Online, Kinosaal, TV, Streaming-Service…), indem was die Absicht des Trailers unter Marketing-aspekten sein soll und auch für welche Zielgruppe sie gemacht werden.

Grundsätzlich lassen sich jedoch folgende Kategorien definieren:

  • Kino – Trailer
    • Film – Trailer
    • Film – Teaser
  • Promo-Spots
    • Promo – Trailer
    • Promo – Teaser
    • On-Air Promo

Der Hauptunterschied dieser beiden Hauptkategorien ist in der Regel die Laufzeit.
Wo ein Film-Trailer schon mal bis zu 2 Minuten 30 Sekunden Laufzeit haben kann,
ist ein Promo – Trailer mit seinen 05(!) – 30 Sekunden recht knackig.

Innerhalb der Kategorien trifft bei beiden jeweils für die Teaser im vergleich zum Trailer der Umstand zu, dass diese (noch) kürzer sind als die jeweilige Trailer Variante und sie oftmals eher kurze Ausschnitte, einzelne Gags usw. präsentieren, ohne zwingend ein eigenes Narrativ zu erzählen.

Allen Kategorien gemeinsam, sind oft die Schnitt-Technischen Elemente und Stile. Aufgrund ihrer Kürze gibt es für Promo-Spots jedoch noch eine Fülle an zusätzlichen Dingen die eine Rolle spielen, so dass man am besten als erstes mit den leichteren Formaten – längeren Film-Trailern – beginnen sollte.

Film – Trailer

Ein Film-Trailer hat in der Regel eine maximale Laufzeit von 2 Minuten und 30 Sekunden. Hin und wieder wird aber auch auf bis zu 2 Minuten und 45 Sekunden gestreckt. Des Öfteren finden sich jedoch kürzere Werke mit 2 Minuten oder etwas weniger Laufzeit.
Zu Gesicht bekommt man diese Gattung hauptsächlich im Kinosaal vor dem eigentlichen Film oder auch online, wo er auf Youtube auch immer häufiger von Fans und Filmportalen diskutiert und geteilt wird.

Hauptaufgabe dieser Trailer-Gattung ist es, die Geschichte des Films möglichst kurz zusammenzufassen und alle für den Zuschauer wichtigen Informationen möglichst effizient und so interessant wie nur möglich zu präsentieren.

Neben einer Vielzahl an handwerklichen Gestaltungsmöglichkeiten und einiger „Do’s and Don’ts“ gibt es „beim trailern“ im Allgemeinen nur eine wichtige Grundregel…

Wenn’s nicht rockt, isses für’n Arsch!

Egal welchem Genre der dem Trailer zugrunde liegende Film angehört, bedienen sich Trailer-Editoren genreunabhängig gewisser Stil-Elemente oder Schnitttechniken um beim Zuschauer maximale Aufmerksamkeit zu erlangen und gleichzeitig einen hoffentlich bleibenden Eindruck zu hinterlassen. Perfektes Endresultat ist es, wenn der Trailer beim Betrachter eine Sehabsicht für den eigentlichen Film provoziert. Deshalb sind Trailer immer hoch stilisierte Schnitt-Güter!

Obwohl die Thematik Trailerschnitt sehr umfangreich, und eine Wissenschaft für sich sein kann, ist die Logik beim Zuschauer am Ende relativ simpel und basiert auf reiner Assoziation (teils auch unterbewusst):

Lahmer Trailer = Lahmer Film
Mitreißender Trailer = Film
den man sehen muss

Auch wenn sich das am Ende im Kino auch manchmal als Trugschluss herausstellt, ist es für den Trailer zunächst das Einzige das zählt. Wichtig ist jedoch, dass man der Essenz des Films treu bleibt, da sonst falsche Erwartungshaltungen geschürt werden, welche gerne im Nachgang diese berühmten Phrase hervorrufen: „Der Trailer war besser als der Film“ – und das ist dann leider aber auch kein Kompliment für den Trailer!
Hier ein Beispiel für einen Trailer:

Der original Trailer von Matrix (1999) – Es gibt diesen Trailer auch digital restauriert für die BluRay-Veröffentlichung. Allerdings liebe ich den Nostalgiefaktor der „originalen original Version“. (In 4:3 war er übrigens auch schön anzusehen!)

Und weil es irgendwann hier um Trailer Analysen und Trailer-Stile gehen wird…hier zum Vergleich schon mal zum Üben noch der Trailer zu Matrix Revolutions von 2003:

Matrix Revolutions Trailer von 2003.

Viel Spaß beim Vergleichen, ich wäre gespannt zu hören, was euch bei den beiden Trailern alles auffällt! – Es gäbe da eine ganze Menge von meiner Seite…

Film-Teaser (Teaser-Trailer)

Der Film-Teaser ist der kleine Bruder des Trailers, wenn man so möchte, und er ist in der Regel vor dem Trailer verfügbar. Manchmal auch lange vor dem Trailer. Teaser entstehen auch oft oder fast ausnahmslos, während sich der Film noch in der Post-Produktion befindet und selbst noch nicht fertig ist. Am Beispiel des obigen Matrix – Trailers kann man sehen, dass letzteres manchmal auch sogar noch beim Trailer selbst der Fall ist!

Den Teaser findet man ebenfalls vorrangig im Kino-Saal und online. Monate vor dem eigentlichen Kinostart des Films.
Teaser können in ihrer Laufzeit stark variieren, befinden sich aber meist irgendwo zwischen 1 und 2 Minuten. Der Teaser unterscheidet sich vom Trailer hauptsächlich durch seinen Inhalt.

So offenbart der Teaser meist wenig Information über die eigentliche Story, wohingegen der Trailer genau diese versucht kurz zusammenzufassen.
Der Teaser hat als Hauptaufgabe zu „teasen“ also zu locken. Deshalb geht es hier mehr um „Style“ und dem Fokus auf meist eine einzige Kernaussage um einen Hinweis auf die mögliche Story des Films zu geben, ohne diese zwingend zu erklären!

Wieder als Beispiel die jeweiligen Teaser-Trailer zu Matrix (1999) und Matrix Revolutions (2003):

Teaser-Trailer zu Matrix (1999)
Teaser-Trailer zu Matrix Revolutions (2003)

Promo-Trailer/Teaser (TV-Spots, On-Air Promo)

Den Promo-Trailer oder auch TV-Spot genannt, sowie den ihm sehr ähnlichen On-Air Promo-Trailer, findet man im Fernsehen oder ebenfalls online.
Die Eigenheit eines On-Air Promo Trailers ist übrigens die, dass dieser vom jeweiligen TV-Sender für sein Programm erstellt wird – also Eigenwerbung darstellt – und somit auch dem „Sender-Stil“ respektiver der Sender-CI unterliegt. Sowohl was mögliche grafische Elemente betrifft, als auch im „Wording“ der Voice-Over Texte und nicht zuletzt, in welcher Art und Weise gewisse Themen auf dem jeweiligen Sender präsentiert oder eben auf keinen Fall präsentiert werden! Filme, die im Laufe der Jahre auf unterschiedlichen Sendern gelaufen sind, wurden demnach auch für jeden Sender neu und eigens beworben!
Konzentrieren wir uns nun zunächst generell auf Promo-Trailer.
Vorausgesetzt also: Ein Film der gerade im Kino läuft, soll im Werbeblock eines TV-Senders oder online in Form von PreRoll-Ads in maximal 30 Sekunden beworben werden.

Die schwierigste Hauptaufgabe des (On-Air) Promo-Trailers ist es, eine sehr vereinfachte Version der Filmgeschichte spannend und mitreißend zu präsentieren.

Als kurzer Einschub: Das ist es auch, was mich an diesem Job so fasziniert! Eine Geschichte die 90-120 Minuten lang ist, in 2 Minuten 30 Sekunden zu erzählen erscheint schon ambitioniert genug. Aber das dann nochmal zwei Minuten kürzer in nur 30 Sekunden ohne alles in 5-facher Geschwindigkeit abzuspielen… JA es geht! Immer! Versprochen.

Zur Veranschaulichung hier ein Sammel-Reel mit unterschiedlichen TV-Promos zu Matrix (1999), welches folgende Spots enthält:

00:00 Manson
00:33 Reality
1:06 Forget Everything
1:39 Mystery
2:13 Buckle Up
2:30 The Answer
3:03 Kung Fu
3:37 Whoa

Matrix (1999) TV-Promos

Hier die folgenden TV-Spots zu Matrix Revolutions:

00:00 Give Anything
00:33 Help
01:06 Power
01:39 Future
01:57 Believe
02:25 Control

Matrix Revolutions (2003) TV-Promos

Zu erkennen ist, wie einzelne Kernthemen eines Films als Kernaussage für die Promo-Trailer herangezogen werden und jeder Trailer sich auf EINE dieser Aussagen fokussiert!

Ein Promo-Trailer hat im Unterschied zu Kino-Trailern wesentlich schwierigere Rahmenbedingungen. Im Kino, kann der Zuschauer dem Trailer nicht entkommen. Ein dunkler Saal – und man muss es sozusagen aussitzen was einem da vorgesetzt wird.
Promos hingegen müssen die Aufmerksamkeit der Zuschauer umgehend von der ersten Sekunde an auf sich lenken und das während der Zuschauer eigentlich gerade dabei ist die Kanäle durchzuzappen oder auf Youtube bereits im Begriff ist weiter zu klicken! Ein Promo-Spot ist zudem selten etwas, dass sich jemand bewusst ansehen möchte, da es sich oft anfühlt wie lästige Werbung. Wohingegen viele Fans es kaum erwarten können bis endlich der erste Film-Teaser oder Film-Trailer des heiß ersehnten Filmes (sagen wir mal Matrix 4) erscheint!

Wie „wir“ Promo-Editoren dass dann trotz der Umstände irgendwie hinbekommen, erfahrt ihr Stück für Stück in diesem Blog!

Zu guter Letzt ein ProSieben On-Air Promo-Trailer zu Matrix Revolutions, wie der Film also aus Sicht eines Senders promoted wird und somit auch im Hausstil des Senders verpackt und präsentiert wird:

ProSieben On-Air Promo-Trailer zu Matrix Revolutions.

Das wars dann auch schon mal mit der Übersicht der grundlegendsten Trailer-Gattungen anhand eines konsistenten Beispiels!

Ich wünsche euch jetzt viel Spaß mit den verlinkten Videos und würde mich natürlich freuen, wenn ihr Lust habt eure Meinungen in die Kommentare zu schreiben. Gleichzeitig habt ihr jetzt – denke ich – auch mal einen kleinen Eindruck bekommen, wie sich dieser Blog entwickeln wird.

Viel Spaß und danke fürs Mitlesen!
Euer Marco

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Programm Promotion im Wandel der Zeit – Von „Morgen 20:15 auf XY“ zu „Ab XY als VoD abrufbar“ – Teil 1

Hier möchte ich mal ins Bewusstsein rufen, welchen Stellenwert ein Trailer – insbesondere ein On-Air Promo Trailer – in vergangenen Zeiten hatte, wie sich dieser Stellenwert dank dem Internet und dem dadurch immer stärker werdenden kollektiven Gedächtnis unserer Popkultur verändert hat und was dies schlussendlich für die Arbeit an Trailern bedeuten kann, oder vielleicht auch bedeuten sollte!

Kinder der 90er erinnert euch! Wir haben miterlebt, wie die privaten Sender ihre Hochphase hatten, wie sie wie Pilze aus dem Boden sprossen, und mit immer flotteren und frecheren Trailern um unsere Aufmerksamkeit buhlten.
Beliebtes Mittel – Promo Trailer, welche uns im Stakkato alles um die Ohren gefeuert haben, was das beworbene Programm zu bieten hatte und manchmal sogar mehr als das! Wenn die Promo „geiler“ war, als das dahinter stehende Programm.
Gleichzeitig war die Lebensdauer dieser schrillen Machwerke begrenzt. Sie liefen bis zum angekündigten Tag X, bis das Programm gestartet ist, oder die Botschaft des Trailers obsolet wurde.

Danach verschwand der Trailer vom Sender und als bald auch aus den Köpfen der Zuschauer, denn es handelte sich um eine Art „Wegwerf-Ware“ die nach Zweckerfüllung (Programmplatz-Kommunikation) nicht mehr gebraucht wurde.

Was die Kollegen von damals nicht wissen konnten: Es wird einmal einen Ort geben an dem die Trailer weiterleben. Es ist nicht die selbst zu bespielende VHS Kassette auf der man versehentlich die Werbung mit aufgezeichnet hatte. – Nein. Die Rede ist von einem paradiesischen Ort, in den es manche Trailer aus dieser Zeit geschafft haben um eventuell auf ewig zu überdauern. Das Internet…

Erinnert euch an diese Perlen der Promo:

Super RTL (2001)
https://www.youtube.com/watch?v=s98rdkV4Ukc&list=WL&index=24&t=0s

Und heute? Nunja, heute hat sich am grundsätzlichen Stellenwert erstmal nicht so viel verändert. Die Promo wird immer noch gerne weg ge„zapped“ oder mal als lästige Werbung betrachtet, die uns tagelang immer und immer wieder um die Ohren geballert wird, damit sich ein wohliges „ja wir wissen’s langsam, wann es läuft!“ einstellt.

Verändert hat sich nur, dass Trailer von heute oft nicht zufällig im Netz landen, sondern von den Sendern bewusst online gestellt werden oder von Fans online gebracht und gehalten werden. Was ich persönlich total großartig finde, DENN ich finde es immer wieder gut mich von der Arbeit talentierter und oft erfahreneren Kollegen inspirieren zu lassen. Hier mal ein Beispiel für das wohl stärkste der letzten Jahre:

Pro7 (genaues Jahr unbekannt – vermutlich 2015)
https://www.youtube.com/watch?v=v36zeZ8KrZ8
https://www.youtube.com/watch?v=wIvpvBScHC8

Ich denke anhand dieser Star Wars Promo kann man die These fest machen, dass gute Promo Trailer eigene kleine Kunstwerke sein können, die es wert sind mehr als nur Wegwerf-Ware zu sein!

Neue Trends – Die Trailer Analyse und das Oster-Eier Sammeln
Zunächst ein kleiner Exkurs zum „großen Bruder“ der On-Air Promo: Dem Cinematic-Trailer. Ein ausgewachsenes Biest mit bis zu 2:25 Minuten Laufzeit. Kürzer – auch oft gesehen – manchmal aber sogar länger als das!

Je nachdem um welchen Film es sich handelt, schart sich im Netz ein Heer von Film-Geeks und Fans zusammen und analysieren gefühlt jedes Frame (Einzelbild) eines Trailers!

  • Ein Trailer hat je nachdem 24 oder 25 Bilder pro Sekunde, dass macht dann also gern mal bis zu 3.625 Einzelbilder die es zu zerlegen gilt ;)! Plus die Metaebene aber das ist eine andere Geschichte!

Diese Analysen und Besprechungen können dann wie folgt aussehen:

Einmal recht sachlich wie am Beispiel Robert Hofmann, der die Arbeit der Promo als verlängerter Arm, durch eine Besprechung und Einordnung des Gezeigten, ergänzt und dabei auch auf die handwerkliche Qualität eines Trailers zu sprechen kommt:

Youtube Channel von Robert Hofmann am 17.02.2020 mit 597.000 Abonnenten.

STAR WARS 9 Finaler Trailer German Deutsch (2019) von Robert Hofmann
https://bit.ly/2HsNchV

Oder aber das pure Eintauchen ins „Fandom“ mit Spekulationen und Theorien!

Youtube Channel von New Rockstars am 17.02.2020 mit 2,47 Mio. Abonnenten.

Erik Voss auf dem Kanal NewRockstars (GOTT! ich liebe diesen Kerl! <3)

STAR WARS Rise of Skywalker D23 Trailer Breakdown! Easter Eggs You Missed!
https://bit.ly/37ysAiR

In letzterem Beispiel wird also 16 Minuten lang über einen 2:20 Minuten langen Trailer gesprochen…

Und der Video Titel sagt es schon, Oster-Eier wird es auch geben und zwar solche, die viele wohl gar nicht mitbekommen haben als sie den Trailer gesehen haben ABER sie sind da (!) und das ist das wichtigste. Trailer und Promos scheinen heutzutage eine ganz andere Wahrnehmung und Lebensdauer zu genießen.

Im zweiten Teil zu diesem Thema würde ich dann gerne Schlussfolgern was das alles bedeutet und wie man als Trailer Editor diese Dinge in seine Arbeit einbinden kann. Ich empfehle euch, checkt die Links aus, Abonniert die Kanäle und schaut euch die Videos an es macht einfach Spaß!

Euer Marco

P.S.: Hier noch ein Link zu einer Playliste, die sich mit Analyse von Spielfilmen befasst, falls ihr mit den Trailer-Analysen Blut geleckt habt. (Die Meisten in der Liste sind von New Rockstars) https://bit.ly/2uH70eJ

Film-Analyse Playlist: https://bit.ly/2uH70eJ