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#07 Trailer-Storytelling: Die Geschichte finden, die den Film verkauft!

Kurz nochmal zusammen gefasst: Ich denke Filme wie Matrix, Inception, Cloud Atlas uvm., welche einen sehr komplexen Plot haben, beweisen mit ihren jeweiligen Trailern sehr wohl, dass der Film, dessen Geschichte nicht mundgerecht in einen Trailer gepackt werden kann, erst noch geschrieben werden muss.

Da ein Trailer aber im Grunde die Log-Line des Filmes wieder gibt und jedes Drehbuch und jeder Film auf einer Log-Line basiert bin ich hier optimistisch, dass auch in Zukunft zu jedem Film ein guter, spannender Trailer möglich sein wird.

The Sixth Sense – Ich sehe schwache Trailer
©Walt Disney Studios Motion Pictures

Es ist auch kurz an der Zeit euch wissen zu lassen, weshalb ich das Bedürfnis hatte diesen Blog zu starten. Ich sehe SO VIELE SCHWACHE Trailer da draußen, dass es mir das Herz zerreisst. Ich rede hier oft von Trailern zu deutschen Filmen, die stilistisch oft nicht im Ansatz mit amerikanischen Trailern mithalten können. Da wird sich dann gerne über das Budget herausgeredet. Ein schwacher Trailer kostet oft mehr, wie ein starker! Monitär liegen beide idR gleich auf. Der eine kostet u.U. jedoch zzgl. Zuschauer, der andere bringt sie ein!

Auch das haben Trailer und Filme also gemeinsam!

Ich bin der festen Meinung, da es der deutsche Film beim Publikum eh schon schwer genug hat, muss (oder darf) er nicht auch noch bescheiden verkauft werden! Bescheidenheit, 😛 ist in der Werbung fehl am Platz, da ein Trailer Vollgas benötigt und keine angezogene Handbremse. In Zukunft soll es hier auch Beispiele mit konstruktiver Analyse geben. Bis dahin gebe ich euch alle nötigen Grundlagen for free in diesem Blog an die Hand – in der Hoffnung – ein Bewusstsein für gutes Trailer-Handwerk zu schaffen. Ebenso arbeite ich daran, dass bald auch Kolleginnen und Kollegen hier zu Wort kommen.

Was man aus dem Film benutzen sollte

1: Dinge, welche die Hauptfigur vorstellen und charakterisieren. -> etwas das zudem Aufmerksamkeit erregt. Introduction von BABY in Baby Driver ist hier der Maßstab!

Beispiel-Briefing: Vorstellung des Hauptcharacters. So, dass der Zuschauer auch gleich einen Hint auf seine besonderen Fähigkeiten bekommt, und er eine präzise Vorstellung der gesamt Tonalität des Films erhält. Musik muss als wichtiger Bestandteil erkennbar werden, ebenso sollte die größere Rahmenhandlung (Heist-Story) erzählt werden. Das alles in 35 Sekunden ohne lange erklärende Dialoge? Don’t tell it…SHOW IT ala Baby Driver!

Baby Driver – Official International Trailer

2: Dinge, welche die Einzigartigkeit des Filmes, den USP oder „Unique-Hook“ klar herausstellen. Auch dies erledigt der Baby Driver Trailer gleich im Intro zum Teil mit.

3: Dinge, welche die Hauptstory, Log-Line wiedergeben.

Sollte man bei einem Film Schwierigkeiten haben diese Dinge mit den Dialogen erzählen zu können gibt es die Möglichkeit, Title-Cards mit Schlagworten oder Story-Cards ergänzend zu benutzen. Auch der hin und wieder veraltet wirkende Voice-Over kann benutzt werden. Richtig verwendet, kann das auch heute noch gut wirken! In der On-Air Promo kommt er dafür umso öfter noch zum Einsatz und ist Standard. Schönes Beispiel für tollen Voice-Over Einsatz mit ADR/Cheat-Lines der Filmfiguren:

Prosieben Star Wars Eine Neue Hoffnung Ankündigungstrailer

Und hier ein klassischer Einsatz mit Station-Voice:

ProSieben – On-Air Promo Star Wars Eine neue Hoffnung

Was man aus dem Trailer zum Film UNBEDINGT herauslassen sollte muss

1: Unwichtige Introduction von Nebencharakteren. Namen rauslassen und nicht weiter erklären/vorstellen!

2: Langweilige und langatmige Erklärungen! Das sollte man im Film selbst schon nicht machen, erst recht nicht im Trailer. Jeder jung Produzent und Regisseur schmeißt gerne mit der alt Weisheit „Show it don’t tell it!“ um sich… ich frage mich warum deutsche Trailer dann so oft am „tellen“ und so wenig am „showen“ sind…

Hierzu ist auch oft ein starkes Umschreiben mancher Sätze nötig. Das im vorherigen Beitrag beschriebene „cobblen“ von Sätzen kommt dann zum Einsatz. Wann immer man einen Sachverhalt in 5 statt in 10 Worten erklären kann…go for it!

3: Sogenannte „Pandoras Box-Lines/Szenen“: Das sind alle Elemente der Geschichte, welche neue Fragen aufwerfen würden, welche man dann wiederum langwierig erklären müsste wodurch der Trailer nur unnötig kompliziert und komplex wird.
Das ist dann nicht nur Verwirrend für den Betrachter SONDERN nach kurzer Zeit auch total uninteressant – langweilig.

Tipps zum Arrangieren der Grundstruktur

1: Überlegt euch was ein starker ERSTER und was ein starker LETZTER Moment des Trailers sein könnte.

2: Eröffnet mit einer imposanten Vorstellung der Hauptfigur.

3: Endet auf dem besten Moment, den euch der Film bietet, oder den ihr selber bauen könnt! Die letzten 30 Sekunden eures Trailer sollten die sein, die man nicht mehr vergisst! Seid euch bewusst, dass es hoch wahrscheinlich ist, dass der einzige Moment aus eurem Trailer, an den ein Zuschauer sich erinnern wird, meistens diese letzten 30 Sekunden sind! MAKE!…THEM!…COUNT!

Wenn ihr all das getan habt könnt ihr richtig loslegen… Vereinfachen, vereinfachen, vereinfachen! Verliebt euch nicht in Szenen, Sätze oder Momente – lasst rigoros alles raus was nicht weiterhilft! Den Frame den man im Spielfilmschnitt erst recht noch auskosten würde, lässt man im Trailer IMMER weg! Tight geschnitten muss es sein!

Eure Trailer-Story muss schlicht, leicht verdaulich und dennoch etwas einzigartig sein. Am Ende muss der Betrachter sagen können: „Ich weis jetzt worum es geht (oder glaube es zu wissen) und der Film sieht gut aus! Will ich sehen.“ Wenn sich der Trailer gut anfühlt und in Summe Spaß macht, ist alles richtig! Wenn aber der Trailer einen schon langweilt…

Abschließender Hinweis: Missversteht das Wort Spaß bitte nicht! Natürlich soll ein Trailer zu einem Drama nicht wie ein Action-Film Trailer geschnitten sein! Aber wenn ich im Drama-Trailer die richtigen Emotionen spüre, dann hab ich in dem Moment als Drama-Begeisterter Zuschauer auch „Spaß!“ weil ich das bekomme, was ich erwarte! Drama-Trailer müssen deshalb aber nicht langatmig und langweilig geschnitten sein um „emotional abzuholen“ auch hier muss (oder sollte man) dick auftragen und stilisiert arbeiten. Näheres dann bei den Genre-Beiträgen!

Auch bei Trailern ist übrigens eine runde Geschichte am schönsten – deshalb hier ein starker Trailer zu The Sixth Sense ;). 38 Sekunden für alles was wichtig ist in Akt I.

The Sixth Sense -Trailer (1999)

Vielen Dank fürs Mitlesen!
Euer Marco