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#07 Trailer-Storytelling: Die Geschichte finden, die den Film verkauft!

Kurz nochmal zusammen gefasst: Ich denke Filme wie Matrix, Inception, Cloud Atlas uvm., welche einen sehr komplexen Plot haben, beweisen mit ihren jeweiligen Trailern sehr wohl, dass der Film, dessen Geschichte nicht mundgerecht in einen Trailer gepackt werden kann, erst noch geschrieben werden muss.

Da ein Trailer aber im Grunde die Log-Line des Filmes wieder gibt und jedes Drehbuch und jeder Film auf einer Log-Line basiert bin ich hier optimistisch, dass auch in Zukunft zu jedem Film ein guter, spannender Trailer möglich sein wird.

The Sixth Sense – Ich sehe schwache Trailer
©Walt Disney Studios Motion Pictures

Es ist auch kurz an der Zeit euch wissen zu lassen, weshalb ich das Bedürfnis hatte diesen Blog zu starten. Ich sehe SO VIELE SCHWACHE Trailer da draußen, dass es mir das Herz zerreisst. Ich rede hier oft von Trailern zu deutschen Filmen, die stilistisch oft nicht im Ansatz mit amerikanischen Trailern mithalten können. Da wird sich dann gerne über das Budget herausgeredet. Ein schwacher Trailer kostet oft mehr, wie ein starker! Monitär liegen beide idR gleich auf. Der eine kostet u.U. jedoch zzgl. Zuschauer, der andere bringt sie ein!

Auch das haben Trailer und Filme also gemeinsam!

Ich bin der festen Meinung, da es der deutsche Film beim Publikum eh schon schwer genug hat, muss (oder darf) er nicht auch noch bescheiden verkauft werden! Bescheidenheit, 😛 ist in der Werbung fehl am Platz, da ein Trailer Vollgas benötigt und keine angezogene Handbremse. In Zukunft soll es hier auch Beispiele mit konstruktiver Analyse geben. Bis dahin gebe ich euch alle nötigen Grundlagen for free in diesem Blog an die Hand – in der Hoffnung – ein Bewusstsein für gutes Trailer-Handwerk zu schaffen. Ebenso arbeite ich daran, dass bald auch Kolleginnen und Kollegen hier zu Wort kommen.

Was man aus dem Film benutzen sollte

1: Dinge, welche die Hauptfigur vorstellen und charakterisieren. -> etwas das zudem Aufmerksamkeit erregt. Introduction von BABY in Baby Driver ist hier der Maßstab!

Beispiel-Briefing: Vorstellung des Hauptcharacters. So, dass der Zuschauer auch gleich einen Hint auf seine besonderen Fähigkeiten bekommt, und er eine präzise Vorstellung der gesamt Tonalität des Films erhält. Musik muss als wichtiger Bestandteil erkennbar werden, ebenso sollte die größere Rahmenhandlung (Heist-Story) erzählt werden. Das alles in 35 Sekunden ohne lange erklärende Dialoge? Don’t tell it…SHOW IT ala Baby Driver!

Baby Driver – Official International Trailer

2: Dinge, welche die Einzigartigkeit des Filmes, den USP oder „Unique-Hook“ klar herausstellen. Auch dies erledigt der Baby Driver Trailer gleich im Intro zum Teil mit.

3: Dinge, welche die Hauptstory, Log-Line wiedergeben.

Sollte man bei einem Film Schwierigkeiten haben diese Dinge mit den Dialogen erzählen zu können gibt es die Möglichkeit, Title-Cards mit Schlagworten oder Story-Cards ergänzend zu benutzen. Auch der hin und wieder veraltet wirkende Voice-Over kann benutzt werden. Richtig verwendet, kann das auch heute noch gut wirken! In der On-Air Promo kommt er dafür umso öfter noch zum Einsatz und ist Standard. Schönes Beispiel für tollen Voice-Over Einsatz mit ADR/Cheat-Lines der Filmfiguren:

Prosieben Star Wars Eine Neue Hoffnung Ankündigungstrailer

Und hier ein klassischer Einsatz mit Station-Voice:

ProSieben – On-Air Promo Star Wars Eine neue Hoffnung

Was man aus dem Trailer zum Film UNBEDINGT herauslassen sollte muss

1: Unwichtige Introduction von Nebencharakteren. Namen rauslassen und nicht weiter erklären/vorstellen!

2: Langweilige und langatmige Erklärungen! Das sollte man im Film selbst schon nicht machen, erst recht nicht im Trailer. Jeder jung Produzent und Regisseur schmeißt gerne mit der alt Weisheit „Show it don’t tell it!“ um sich… ich frage mich warum deutsche Trailer dann so oft am „tellen“ und so wenig am „showen“ sind…

Hierzu ist auch oft ein starkes Umschreiben mancher Sätze nötig. Das im vorherigen Beitrag beschriebene „cobblen“ von Sätzen kommt dann zum Einsatz. Wann immer man einen Sachverhalt in 5 statt in 10 Worten erklären kann…go for it!

3: Sogenannte „Pandoras Box-Lines/Szenen“: Das sind alle Elemente der Geschichte, welche neue Fragen aufwerfen würden, welche man dann wiederum langwierig erklären müsste wodurch der Trailer nur unnötig kompliziert und komplex wird.
Das ist dann nicht nur Verwirrend für den Betrachter SONDERN nach kurzer Zeit auch total uninteressant – langweilig.

Tipps zum Arrangieren der Grundstruktur

1: Überlegt euch was ein starker ERSTER und was ein starker LETZTER Moment des Trailers sein könnte.

2: Eröffnet mit einer imposanten Vorstellung der Hauptfigur.

3: Endet auf dem besten Moment, den euch der Film bietet, oder den ihr selber bauen könnt! Die letzten 30 Sekunden eures Trailer sollten die sein, die man nicht mehr vergisst! Seid euch bewusst, dass es hoch wahrscheinlich ist, dass der einzige Moment aus eurem Trailer, an den ein Zuschauer sich erinnern wird, meistens diese letzten 30 Sekunden sind! MAKE!…THEM!…COUNT!

Wenn ihr all das getan habt könnt ihr richtig loslegen… Vereinfachen, vereinfachen, vereinfachen! Verliebt euch nicht in Szenen, Sätze oder Momente – lasst rigoros alles raus was nicht weiterhilft! Den Frame den man im Spielfilmschnitt erst recht noch auskosten würde, lässt man im Trailer IMMER weg! Tight geschnitten muss es sein!

Eure Trailer-Story muss schlicht, leicht verdaulich und dennoch etwas einzigartig sein. Am Ende muss der Betrachter sagen können: „Ich weis jetzt worum es geht (oder glaube es zu wissen) und der Film sieht gut aus! Will ich sehen.“ Wenn sich der Trailer gut anfühlt und in Summe Spaß macht, ist alles richtig! Wenn aber der Trailer einen schon langweilt…

Abschließender Hinweis: Missversteht das Wort Spaß bitte nicht! Natürlich soll ein Trailer zu einem Drama nicht wie ein Action-Film Trailer geschnitten sein! Aber wenn ich im Drama-Trailer die richtigen Emotionen spüre, dann hab ich in dem Moment als Drama-Begeisterter Zuschauer auch „Spaß!“ weil ich das bekomme, was ich erwarte! Drama-Trailer müssen deshalb aber nicht langatmig und langweilig geschnitten sein um „emotional abzuholen“ auch hier muss (oder sollte man) dick auftragen und stilisiert arbeiten. Näheres dann bei den Genre-Beiträgen!

Auch bei Trailern ist übrigens eine runde Geschichte am schönsten – deshalb hier ein starker Trailer zu The Sixth Sense ;). 38 Sekunden für alles was wichtig ist in Akt I.

The Sixth Sense -Trailer (1999)

Vielen Dank fürs Mitlesen!
Euer Marco

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#06 Recherche & Vorbereitung: Den Film filetieren für den Trailer-Schnitt

Genau wie beim Spielfilm-Schnitt (oder Schnitt im Allgemeinen) ist auch beim Trailer-Schnitt Organisation der Schlüssel um schnell, effizient und ungehindert kreativ arbeiten zu können! Am Ende wird ein spektakulärer Trailer mit schnellen und eindrucksvollen Bildfolgen entstanden sein, der dem Betrachter den Puls höher schlagen lassen wird…aber am Anfang bereiten wir uns erst einmal geradezu meditativ und gelassen darauf vor und lernen den zu bewerbenden Film in- und auswendig kennen um ihn gut positionieren zu können!

Der erste Schritt beim Trailer-Schnitt ist der wichtigste und von außenstehenden Hektikern gern als der „zeitraubendste“ verkannt. FILM SCHAUEN!
Und zwar so wie es ein Zuschauer auch tun würde (nur ohne Handy nebenbei :P).
Im ersten Durchgang versuche ich Notizen auf ein Minimum zu reduzieren, sondern konzentriere mich 100% auf den Inhalt.

Danach geht es los! Im Folgenden beschreibe ich Euch die Arbeitsschritte nach Lehrbuch zum trailern eines Spielfilmes. Vieles davon lässt sich aufgrund Bearbeitungszeit in der On-Air Promo – wo man es oft mit ganzen Serienstaffeln zu tun hat – nicht zwingend derart detailliert umsetzen aber um „Regeln“ zu brechen sollte man sie kennen…

Der Dialog-Breakdown

Dialog-Breakdown für On-Air Kombi-Trailer

Jeder im Film gesagte Satz (JEDER!) wird zunächst aus dem Material geklammert und als Sub-Clip abgelegt. Diese einzelnen Clips pro Satz werden wie folgt benannt:

Rollen Name“ – „Dialog“
Bsp.:
Marco – Klingt nach einer menge Arbeit!
(…)

Wenn man diese per Textsuche, durchsuchbare Dialogliste vor sich hat, beginnt man mit den folgenden Schritten die Geschichte des Trailers aus den Dialogen zu bauen:

1.: Sätze die, die Story erzählen heraussuchen.
2.: Oft muss man hierzu Sätze „cobblen“, um völlig neue Sätze, welche im Film so nicht gesagt werden, zu bauen.

Bsp.:
Am Anfang des Films sagt die Figur den Satz:

Marco – Klingt nach einer Menge Arbeit!

Und am Ende des Films eventuell diesen Satz:

Marco – Ich hätte niemals gedacht, dass ich mit euch so viel Spaß haben werde.

Für den Trailer können wir dann folgenden Satz (bspw. als Reaktion auf etwas cooles, das wir im Trailer zuvor gezeigt haben) aus diesen beiden Sätzen „cobblen“:

Marco – Klingt nach einer Menge Spaß!

3.: Suchen nach generischen Charakter-Reaktionen „Shout-Outs“ um Momente zu highlighten. Bspw. Neos WOW, nach der Häuserschlucht Action gleich zu Beginn des Matrix-Trailers. – Hier gehts zur Auffrischung zurück zum Artikel!

Der Visual-Breakdown

Visual-Breakdown für On-Air Kombi Trailer.

Der Visual-Breakdown dient dazu die wichtigsten Bilder aus dem Film für den Trailerschnitt zu kategorisieren und ermöglicht später im Schnitt schnellen Zugriff auf das benötigte Material. Hierzu schneidet man sich die jeweiligen Bilder in eine Sammeltimeline pro Kategorie. Der Visual-Breakdown kann in drei Überkategorien eingeteilt werden:

Main-Visuals

Diese Kategorie sieht für jeden Trailer gleich aus. Hier findet man:

Scope-Shots

Das sind alle Bilder aus dem Film, die Größe vermitteln. Totalen von Landschaften, Städten etc. Die sogenannten Wide-Shots eben.

ID-Shots

Imposante Einstellungen von Hauptdarstellern. Schöne Close-Ups beispielsweise oder eindrucksvolle Aktionen. Money-Shots.

Accents

Alles was man akzentuiert auf einen Beat in der Musik oder auf einen Soundeffekt legen kann. Drücken eines Knopfes, Umlegen eines Hebels, Öffnen einer Tür, Schlag auf einen Tisch, hochziehen einer Augenbraue, eindrucksvolle Kopfdrehung, durchladen einer Waffe usw.

Reactions

Schöne Blicke und non-verbale Reaktionen.

Genre-Spezifische-Visuals

Hier kommt alles rein, was sich vom Genre des Films ableitet. Zum Beispiel Slapstick-Gags bei einer Komödie, Fights bei Action, emotionale Momente bei Drama, und Jump – Scares bei Horror.

Film-Spezifische-Visuals

Hier kann man zusätzlich noch Dinge reinpacken, welche eventuell den USP des jeweiligen Filmes abbilden. Bei Harry Potter wären das alle Zaubersprüche und bei Herr der Ringe alle Bilder in denen der Ring zu sehen ist. – Man kann aber auch philosophieren ob der eine Ring nicht auch ein Character ist – dann packt man ihn eben zu den ID-Shots bei den Hauptdarstellern. 😉 Das hier ist nach purem Gusto und ihr könnt das so organisieren wie es für eure Zwecke passt – respektive wie es eure Zeit erlaubt!
Manchmal reicht die Zeit auch nur für schnell gesetzte Marker.

Was hat man davon sich diese Arbeit zu machen?

Im besten Fall den Trailer im Kopf/auf dem Papier fertig zum zusammen bauen!
Hier in dieser Phase entsteht der Trailer!
Was viele nicht verstehen, der Trailer entsteht NICHT beim eigentlichen schneiden/zusammen bauen. Wie der Film selbst entsteht er auf dem Papier! Respektive im Kopf des On-Air Producers/Editors. Die besten Ideen wie man all diese Elemente zu einem spannenden neuem Ganzen – den Trailerzusammenfügt, entstehen in der Zeit, in der man sich beim auseinandernehmen des Filmes eben genau mit diesem Film beschäftigt!Das hat durchaus was sinnliches manchmal!

Durch die filetierten Elemente erhält man schnellen Zugriff auf die einzelnen Bestandteile, so wie man sie für den Trailer braucht, losgelöst von ihrem eigentlichen Kontext im Film. Dekontexturieren ist unumgänglich und Hauptaufgabe im Trailer-Schnitt.

Da der Film nun in seinen Einzelteilen vor uns liegt, schauen wir uns im nächsten Beitrag ein paar Tipps an, wie man aus dem ganzen Rohmaterial das Story-Gerüst baut und vor allem – überhaupt eine Story für den Trailer innerhalb des Materials findet.

Vielen Dank fürs Mitlesen!
Euer Marco

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Programm Promotion im Wandel der Zeit – Von „Morgen 20:15 auf XY“ zu „Ab XY als VoD abrufbar“ – Teil 2

Recap Teil 1: Trailer verschwinden heute nicht mehr zwingend in der Versenkung und können dank Youtube für alle Zeit für Fans verfügbar sein um leidenschaftlich diskutiert zu werden.

Bevor wir hier weitermachen, sei noch einmal kurz erwähnt, dass es sinnvoll wäre sich die Beispiele zumindest in Teilen, welche ich euch im ersten Teil des Beitrags verlinkt habe anzusehen, damit ihr leichter nachvollziehen könnt worüber ich gleich schwadroniere. Wer es also verpasst hat, unten einfach auf Teil 1 zurück springen und die Links durchklicken. 😉

Die Frage die nach unserem Exkurs zum Cinematic-Trailer aufkommen dürfte ist, ob all dies für On-Air Promo, welche weiterhin von Natur aus kurzlebiger und eventuell etwas irre-levanter für die Allgemeinheit erscheinen dürfte, ebenfalls zutrifft.

Hat meine Arbeit überhaupt einen Sinn?

Da ich ein Mensch bin, der in regelmäßigen Abständen versucht zu reflektieren, ob das was ich tue überhaupt einen Sinn macht – für mich und für irgendwen – bin ich vor ca. einem Jahr während einer kleinen persönlichen Sinnkrise mit meinem Schaffen auf folgendes gestoßen:

Ich hatte gerade zum zweiten mal eine Nominierung für einen meiner Promo Trailer beim Eyes and Ears Award 2019 erhalten und wollte sehen ob, wie bei meiner ersten Nomi-nierung 2017, auch dieser Trailer offiziell auf Youtube geladen wurde. Ich fand den Trailer, teilte ihn freudigst mit meinen Freunden und stellte danach erstaunt fest – hoppla – der stammt ja gar nicht vom offiziellen Sender-Youtubekanal.

Da ich was das Teilen solcher Sachen angeht äußerst vorsichtig bin und bei meinen offiziellen „Payed-Jobs“ eher etwas diskreter vorgehe, bin ich erstmal erschrocken, hatte mich dann aber dazu entschieden es dabei bewenden zu lassen und sah mir das ganze etwas näher an. Es gab da also diesen Youtube-Kanal, der doch tatsächlich nur Promo Elemente von diversen TV-Sendern mitschneidet und online stellt. Bis runter zum fünf Sekunden Werbetrenner „Jetzt kommt die Werbung“ findet sich dort alles. Fein säuberlich in Playlisten nach Sender sortiert. Ich war baff, etwas peinlich berührt und ja – als ich drei meiner Promos in der Liste fand – auch ein bisschen geschmeichelt. 😀

Dennoch, selbst jetzt, als ich hier für euch schreibe plagt mich ein wenig das Gewissen. „Werbung“ für diesen Kanal machen oder nicht? Ihn verlinken oder nicht? Es gut heißen im Sinne der Wissenschaft, was im Grunde Copyrightverletzung ist, oder es totschweigen.

Nunja…bitte seid euch bewusst, dass das unerlaubte Veröffentlichen von Mitschnitten MINDESTENS eine rechtliche Grauzone ist! Aber in diesem Blog geht es ja auch um Popkultur und den Umgang mit Medien im weitesten Sinne. Und last but not least ist GENAU das mein Thema! Lebensdauer von Promos! Deshalb hier der Link zu einer von MEHREREN Quellen.

https://bit.ly/2wsG0jA

Und eigentlich gehört der betreibenden Person auch mal gedankt, denn sie war mir Inspiration und Anlass für diesen Blog. Als wäre das nicht genug, hat mich der Kanal in vielen Dingen bestätigt! Gleichzeitig hat es mir auch neben vielen anderen Dingen aus meiner Schaffenskrise herausgeholfen, denn ich weiß jetzt – das was ich und viele Kolleginnen und Kollegen machen – wird tatsächlich gesehen! Und das nicht nur auf dem linearen Sender für ein bis zwei Wochen, nein! Es überdauert online. Und wird in irgend einer anderen Ecke des Netzes vielleicht sogar gefeiert oder verrissen, geliebt oder gehasst.

Das ist für mich der Sinn und Zweck meines Schaffens! <3

Denkt hier denn niemand auch mal an die Kinder?!

Wie die meisten wissen dürften ist die Hauptzielgruppe für welche ich hauptsächlich engergiert werde irgendwo zwischen 6 – 9 Jahre alt. Manchmal sogar jünger – selten älter.

Was das im Detail bedeutet wird im späteren Verlauf der Blogreihe behandelt, wenn wir uns hoffentlich an Beispiele machen können und wirklich ins Thema einsteigen.
Weshalb ich es hier in teilen vorwegnehme:

Die Trailer die ich schneide müssen primär auf diese Zielgruppe zugeschnitten sein und für diese funktionieren. Mein Credo ist aber nach Möglichkeit auch immer:

Kinder augenscheinlich first, aber die „Kindgebliebenen“* gleich second!

*Ist als Kompliment gemeint!

Schon vor der Entdeckung des Youtube-Kanals, war mein Bauchgefühl und meine Überzeugung, dass meine Promos nicht nur von Kindern gesehen werden, sondern auch von erwachsenen Fans. Gerade weil das Content-Spektrum, dass ich betrailern darf unfassbar breit gefächert ist. Dies hat mir der Youtube-Kanal dann auch bestätigt.

Demzufolge hier ein Shout-Out an alle Geeks da draußen!
Ich „sehe“ euch! Ich trailer nach Möglichkeit auch für euch mit!

Glaubt es oder nicht, aber gleich nach dem Briefing durch den Sender, öffnet sich erstmal Youtube. Und dann… werden Kommentare gelesen. Ich schaue mir paar Sachen an, welche zum Thema online sind und pfeif mir eure Meinung rein. Was gefällt euch an einer Show, was eher nicht. Was bewegt euch und was lässt euch kalt oder verärgert euch sogar!

Und erst danach fange ich an das Material, welches mir für den Trailer zur verfügung gestellt wird, zu sichten und zu klammern. Immer im Hinterkopf – eure Stimmen aus dem Netz.
Wann immer es möglich ist, versuche ich kleine Details mit einzubauen die eventuell nur ihr sehen und finden könnt. Ich versuche die Trailer „Beefy“ zu bauen, so dass meine Zielgruppe nicht davon gestört oder überfordert wird, und ihr trotzdem was zum fitzeln habt. Und wenn nur EINER von euch es findet, oder nur ein Kind auch drüber lachen kann- war es mir das schon wert.
Weil dank euch weis ich jetzt, dass diese vermeintlich unbedeutenden 30 Sekunden eventuell irgendwo überdauern und irgendwann retrospektiv betrachtet werden könnten.

Abschied nehmen, wenns am schönsten ist.

Nun man sieht es an allen Enden und Ecken kommen. Das langsame Verschwinden von linearen TV-Sendern, sowie die Abwanderung der Zielgruppe von Linear zu Non-Linear, Streaming, Youtube und Co.
Kürzlich hatte ich die Gelegenheit mit einem 15-Jährigen mal ’nen kurzen Plausch zu halten, was ihn denn so bewegt, was er hört, was er sich ansieht. Antwort – ne kein Fernsehen, eigentlich nur noch Youtube. Aber TikTok fand er richtig ätzend – na immerhin.

Die Frage, wo in Zukunft geguckt wird, wirft auch die Frage auf, wo wird in Zukunft geworben und angekündigt/promoted? Wo läuft die Promo, wenn nicht nach dem Werbeblock auf einem Sender? Braucht es in Zukunft überhaupt noch Promo und falls ja…wie wird sie aussehen?

Im kommenden dritten und letzten Teil dieser Reihe, werde ich versuchen den Kreis zur Überschrift zu schließen und ich wage es mal einen bisschen zu spekulieren, wo Promo in Zukunft stattfinden wird, und wie sie sich eventuell verändert…

Danke fürs mitlesen!

Euer Marco

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Programm Promotion im Wandel der Zeit – Von „Morgen 20:15 auf XY“ zu „Ab XY als VoD abrufbar“ – Teil 1

Hier möchte ich mal ins Bewusstsein rufen, welchen Stellenwert ein Trailer – insbesondere ein On-Air Promo Trailer – in vergangenen Zeiten hatte, wie sich dieser Stellenwert dank dem Internet und dem dadurch immer stärker werdenden kollektiven Gedächtnis unserer Popkultur verändert hat und was dies schlussendlich für die Arbeit an Trailern bedeuten kann, oder vielleicht auch bedeuten sollte!

Kinder der 90er erinnert euch! Wir haben miterlebt, wie die privaten Sender ihre Hochphase hatten, wie sie wie Pilze aus dem Boden sprossen, und mit immer flotteren und frecheren Trailern um unsere Aufmerksamkeit buhlten.
Beliebtes Mittel – Promo Trailer, welche uns im Stakkato alles um die Ohren gefeuert haben, was das beworbene Programm zu bieten hatte und manchmal sogar mehr als das! Wenn die Promo „geiler“ war, als das dahinter stehende Programm.
Gleichzeitig war die Lebensdauer dieser schrillen Machwerke begrenzt. Sie liefen bis zum angekündigten Tag X, bis das Programm gestartet ist, oder die Botschaft des Trailers obsolet wurde.

Danach verschwand der Trailer vom Sender und als bald auch aus den Köpfen der Zuschauer, denn es handelte sich um eine Art „Wegwerf-Ware“ die nach Zweckerfüllung (Programmplatz-Kommunikation) nicht mehr gebraucht wurde.

Was die Kollegen von damals nicht wissen konnten: Es wird einmal einen Ort geben an dem die Trailer weiterleben. Es ist nicht die selbst zu bespielende VHS Kassette auf der man versehentlich die Werbung mit aufgezeichnet hatte. – Nein. Die Rede ist von einem paradiesischen Ort, in den es manche Trailer aus dieser Zeit geschafft haben um eventuell auf ewig zu überdauern. Das Internet…

Erinnert euch an diese Perlen der Promo:

Super RTL (2001)
https://www.youtube.com/watch?v=s98rdkV4Ukc&list=WL&index=24&t=0s

Und heute? Nunja, heute hat sich am grundsätzlichen Stellenwert erstmal nicht so viel verändert. Die Promo wird immer noch gerne weg ge„zapped“ oder mal als lästige Werbung betrachtet, die uns tagelang immer und immer wieder um die Ohren geballert wird, damit sich ein wohliges „ja wir wissen’s langsam, wann es läuft!“ einstellt.

Verändert hat sich nur, dass Trailer von heute oft nicht zufällig im Netz landen, sondern von den Sendern bewusst online gestellt werden oder von Fans online gebracht und gehalten werden. Was ich persönlich total großartig finde, DENN ich finde es immer wieder gut mich von der Arbeit talentierter und oft erfahreneren Kollegen inspirieren zu lassen. Hier mal ein Beispiel für das wohl stärkste der letzten Jahre:

Pro7 (genaues Jahr unbekannt – vermutlich 2015)
https://www.youtube.com/watch?v=v36zeZ8KrZ8
https://www.youtube.com/watch?v=wIvpvBScHC8

Ich denke anhand dieser Star Wars Promo kann man die These fest machen, dass gute Promo Trailer eigene kleine Kunstwerke sein können, die es wert sind mehr als nur Wegwerf-Ware zu sein!

Neue Trends – Die Trailer Analyse und das Oster-Eier Sammeln
Zunächst ein kleiner Exkurs zum „großen Bruder“ der On-Air Promo: Dem Cinematic-Trailer. Ein ausgewachsenes Biest mit bis zu 2:25 Minuten Laufzeit. Kürzer – auch oft gesehen – manchmal aber sogar länger als das!

Je nachdem um welchen Film es sich handelt, schart sich im Netz ein Heer von Film-Geeks und Fans zusammen und analysieren gefühlt jedes Frame (Einzelbild) eines Trailers!

  • Ein Trailer hat je nachdem 24 oder 25 Bilder pro Sekunde, dass macht dann also gern mal bis zu 3.625 Einzelbilder die es zu zerlegen gilt ;)! Plus die Metaebene aber das ist eine andere Geschichte!

Diese Analysen und Besprechungen können dann wie folgt aussehen:

Einmal recht sachlich wie am Beispiel Robert Hofmann, der die Arbeit der Promo als verlängerter Arm, durch eine Besprechung und Einordnung des Gezeigten, ergänzt und dabei auch auf die handwerkliche Qualität eines Trailers zu sprechen kommt:

Youtube Channel von Robert Hofmann am 17.02.2020 mit 597.000 Abonnenten.

STAR WARS 9 Finaler Trailer German Deutsch (2019) von Robert Hofmann
https://bit.ly/2HsNchV

Oder aber das pure Eintauchen ins „Fandom“ mit Spekulationen und Theorien!

Youtube Channel von New Rockstars am 17.02.2020 mit 2,47 Mio. Abonnenten.

Erik Voss auf dem Kanal NewRockstars (GOTT! ich liebe diesen Kerl! <3)

STAR WARS Rise of Skywalker D23 Trailer Breakdown! Easter Eggs You Missed!
https://bit.ly/37ysAiR

In letzterem Beispiel wird also 16 Minuten lang über einen 2:20 Minuten langen Trailer gesprochen…

Und der Video Titel sagt es schon, Oster-Eier wird es auch geben und zwar solche, die viele wohl gar nicht mitbekommen haben als sie den Trailer gesehen haben ABER sie sind da (!) und das ist das wichtigste. Trailer und Promos scheinen heutzutage eine ganz andere Wahrnehmung und Lebensdauer zu genießen.

Im zweiten Teil zu diesem Thema würde ich dann gerne Schlussfolgern was das alles bedeutet und wie man als Trailer Editor diese Dinge in seine Arbeit einbinden kann. Ich empfehle euch, checkt die Links aus, Abonniert die Kanäle und schaut euch die Videos an es macht einfach Spaß!

Euer Marco

P.S.: Hier noch ein Link zu einer Playliste, die sich mit Analyse von Spielfilmen befasst, falls ihr mit den Trailer-Analysen Blut geleckt habt. (Die Meisten in der Liste sind von New Rockstars) https://bit.ly/2uH70eJ

Film-Analyse Playlist: https://bit.ly/2uH70eJ