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Programm Promotion im Wandel der Zeit – Von „Morgen 20:15 auf XY“ zu „Ab XY als VoD abrufbar“ – Letzter Teil

Recap Teil 2: Auch Promo-Spots haben online Fans, welche diese ins Netz stellen und diskutieren. Deshalb sollte eine Promo im Idealfall auch für die Fangemeinde „Futter“ wie bspw. „Easter-Eggs“ bieten, um längerfristig einen Mehrwert zu bieten und für Gesprächsstoff – auch ggf. retrospektiv – zu sorgen.

Und nun von der linearen zur non-linearen Promo…

Als erstes fällt auf, dass der Promo-Aufwand für die Non-Lineare Verbreitung aus Sicht der klassischen „On-Air Promo“ geringer ausfällt als auf einem linearen TV-Sender.
Werden auf einem linearen Sender nicht nur unterschiedliche Versionen für einen Trailer („Nächsten Samstag, Morgen, Heute etc. um 20:15 Uhr“) gebraucht, muss beispielsweise eine Serie auch über einen längeren Ausstrahlungszeitraum hinweg promoted werden. Zum Beispiel mit einem eigenen Trailer für „Neue Folgen“ im Verlauf der Ausstrahlung einer Staffel oder bei Sonderprogrammierungen „Events“ natürlich dieses selbst, wie bspw. „4 Folgen am Stück – Das große Special“.

Im Grunde bietet jede kleine Besonderheit und/oder Abweichung in der Programmierung einen Anlass für einen einzelnen Promo-Trailer oder gar für eine ganze Kampagne mit Trailern und Teasern in unterschiedlichen Lauflängen und Couleur! Für uns Trailer Editoren also ein wahres Fest, dass es abzufeiern gilt.

Und bei Non-Linear und Streaming? Eine ganze Staffel einer Serie – verfügbar auf einen Schlag. Bam. Ein Trailer. Bei Shows mit großer Erwartungshaltung – Ein Teaser und paar Monate später ein Trailer. „Ab DATUM verfügbar“ That´s it!

Globalisiert, digitalisiert – rationalisiert

Eine Begleiterscheinung von zentralisierten, internationalen Streaming-Services ist die, dass nicht mehr für jedes Land zwingend ein eigener nationaler Programmtrailer erstellt werden muss, sondern ein und der selbe internationale Trailer einfach mit den unterschiedlichen lokalen Dubbing-Tonspuren verwendet werden kann. Keine all zu schöne Aussicht für On-Air Editoren in vielen Ländern.

Wenn man internationale Trailer jedweder Art mit jeweils lokalen Trailern vergleicht, so fällt eventuell auf, dass dadurch auch ein großes Stück Lokalkolorit und „nationaler“ Geschmack verloren gehen – denn ja, Humor ist beispielsweise nicht überall gleich und jede Nation hat durchaus ein bisschen ihren eigenen „Swing“, den es in einer Promo idealerweise mit zu bedienen gilt.
Es wird schon einen Grund haben warum manche Produkte in unterschiedlichen Ländern bspw. anders verpackt, betitelt oder zusammengerührt sind… Nutella und Cola schmecken halt tatsächlich NICHT in jedem Land gleich! Mc Donald´s übrigens auch nicht usw. (Nope das ist kein gesponserter Artikel!-Sorry!)
Als Beispiel: Amerikanische Trailer (auch Promos für sehr junge Zielgruppen) haben eine sehr hohe Schlagzahl und Geschwindigkeit. Sie unterscheiden sich im Erzähltempo oft nicht von einem Action-Trailer für Erwachsene, wohingegen in europäischen Ländern hier oft bewusst vom Gas gegangen wird!

Der pädagogische Ansatz, welcher hier durchaus zum tragen kommt, wird hierzulande keineswegs auf die leichte Schulter genommen!

Eine neue Hoffnung (Ja, ich lasse nichts aus!)

Dennoch sagt mir mein Bauchgefühl, dass all dies noch nicht das Ende aller Promos ist. Einiges wird sich verändert und eventuell wird die Masse etwas zurückgehen, allerdings hat der „Streaming-War“ gerade erst begonnen.
Je mehr Player am Markt teilnehmen, desto wichtiger wird was…? Richtig! Promo und Zielgruppen Ansprache. Dies wird auf der eigenen Plattform nicht all zu viel Sinn machen, aber warum sein VoD-Angebot nicht in Form von PreRoll Ads bspw. auf Youtube promoten? Insta-Ads und Tik Tok sind im Übrigen auch nur Werbeplattformen…

Entscheidend werden außerdem die zukünftigen Trends im Streaming sein. So zeichnet sich allmählich schon ab, dass der Trend für „Binge-Watch“ womöglich schon wieder rückläufig ist und es wieder verstärkt zu wöchentlichen Veröffentlichungen jeweils einer neuen Episode kommt.

Dies erhöht zudem wieder den Wert und die Langlebigkeit einer Serie. Die Zeiträume über die eine Serie aktuell ist verlängern sich wieder, was wiederum das Engagement der Zuschauer erhöht. Mal wieder schön wie früher auf Arbeit mit den Kollegen bibbern und fachsimpeln wie es nächste Woche wohl weitergeht! Keine Angst mehr, das man jemanden 24 Stunden nach Veröffentlichung einer Serien-Staffel spoilert weil dieser aufgrund sozialer Verpflichtungen vielleicht keine Binge-Watch-Völlerei starten konnte um 10 Episoden am Stück weg zu exen!

Eine Woche lang im Netz diskutieren wie man die Entwicklungen der Geschichte findet. Sich also unterm Strich auch mal wieder bewusster mit dem auseinandersetzen was man medial konsumiert und nicht nur halb teilnahmsloses in sich „Reinwatchen“ am besten noch mit Handy in der Hand.
Für die Streaminganbieter könnte es also in Zukunft durchaus auch wieder Sinn machen im Laufe der „Ausstrahlung“ neue Folgen zu promoten, um über die „Ausstrahlungsdauer“ neue Zuschauer/Abonnenten zu umwerben. Die Anforderungen an Promo-Trailer könnte also wieder steigen.
Und wer weiß eventuell Trailern wir in Zukunft nicht nur das Start-Datum einer Serie an, sondern dank künstlicher Verknappung und Lizenzzeiträumen auch, wie lange sie noch verfügbar sein wird:
„Jetzt schnell noch die zweite Staffel XY ansehen! Nur noch bis DATUM verfügbar! – Nur auf…“

Fazit: Nur weil sich Ausstrahlungswege verändert und die Kanäle auf denen man Promo an die Zielgruppe bringt, bedeutet dies nicht dass es keine Notwendigkeit mehr für lokal pro-duzierte Promo gibt. Man darf gespannt sein, was sich in den nächsten Jahren in diesem Bereich alles tut!

Das wars dann auch schon mit der dreiteiligen Einführungs-Reihe. So langsam werde ich warm und ich überlege mir gerade schon neue Themen bevor es dann hoffentlich bald los geht mit den Fallbeispielen. Ich denke die nächsten Beiträge werden jetzt dann mal Richtung Trailer-Dramaturgie gehen und die ersten „Professional-Insight“-Interviews mit Kollegen bin ich auch gerade dran für euch an den Start zu bekommen.

Bis bald! Und lasst auch gerne hören was euch noch alles interessiert!

Danke fürs mitlesen!
Euer Marco

Glühende Editoren-Brille 😛
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Programm Promotion im Wandel der Zeit – Von „Morgen 20:15 auf XY“ zu „Ab XY als VoD abrufbar“ – Teil 2

Recap Teil 1: Trailer verschwinden heute nicht mehr zwingend in der Versenkung und können dank Youtube für alle Zeit für Fans verfügbar sein um leidenschaftlich diskutiert zu werden.

Bevor wir hier weitermachen, sei noch einmal kurz erwähnt, dass es sinnvoll wäre sich die Beispiele zumindest in Teilen, welche ich euch im ersten Teil des Beitrags verlinkt habe anzusehen, damit ihr leichter nachvollziehen könnt worüber ich gleich schwadroniere. Wer es also verpasst hat, unten einfach auf Teil 1 zurück springen und die Links durchklicken. 😉

Die Frage die nach unserem Exkurs zum Cinematic-Trailer aufkommen dürfte ist, ob all dies für On-Air Promo, welche weiterhin von Natur aus kurzlebiger und eventuell etwas irre-levanter für die Allgemeinheit erscheinen dürfte, ebenfalls zutrifft.

Hat meine Arbeit überhaupt einen Sinn?

Da ich ein Mensch bin, der in regelmäßigen Abständen versucht zu reflektieren, ob das was ich tue überhaupt einen Sinn macht – für mich und für irgendwen – bin ich vor ca. einem Jahr während einer kleinen persönlichen Sinnkrise mit meinem Schaffen auf folgendes gestoßen:

Ich hatte gerade zum zweiten mal eine Nominierung für einen meiner Promo Trailer beim Eyes and Ears Award 2019 erhalten und wollte sehen ob, wie bei meiner ersten Nomi-nierung 2017, auch dieser Trailer offiziell auf Youtube geladen wurde. Ich fand den Trailer, teilte ihn freudigst mit meinen Freunden und stellte danach erstaunt fest – hoppla – der stammt ja gar nicht vom offiziellen Sender-Youtubekanal.

Da ich was das Teilen solcher Sachen angeht äußerst vorsichtig bin und bei meinen offiziellen „Payed-Jobs“ eher etwas diskreter vorgehe, bin ich erstmal erschrocken, hatte mich dann aber dazu entschieden es dabei bewenden zu lassen und sah mir das ganze etwas näher an. Es gab da also diesen Youtube-Kanal, der doch tatsächlich nur Promo Elemente von diversen TV-Sendern mitschneidet und online stellt. Bis runter zum fünf Sekunden Werbetrenner „Jetzt kommt die Werbung“ findet sich dort alles. Fein säuberlich in Playlisten nach Sender sortiert. Ich war baff, etwas peinlich berührt und ja – als ich drei meiner Promos in der Liste fand – auch ein bisschen geschmeichelt. 😀

Dennoch, selbst jetzt, als ich hier für euch schreibe plagt mich ein wenig das Gewissen. „Werbung“ für diesen Kanal machen oder nicht? Ihn verlinken oder nicht? Es gut heißen im Sinne der Wissenschaft, was im Grunde Copyrightverletzung ist, oder es totschweigen.

Nunja…bitte seid euch bewusst, dass das unerlaubte Veröffentlichen von Mitschnitten MINDESTENS eine rechtliche Grauzone ist! Aber in diesem Blog geht es ja auch um Popkultur und den Umgang mit Medien im weitesten Sinne. Und last but not least ist GENAU das mein Thema! Lebensdauer von Promos! Deshalb hier der Link zu einer von MEHREREN Quellen.

https://bit.ly/2wsG0jA

Und eigentlich gehört der betreibenden Person auch mal gedankt, denn sie war mir Inspiration und Anlass für diesen Blog. Als wäre das nicht genug, hat mich der Kanal in vielen Dingen bestätigt! Gleichzeitig hat es mir auch neben vielen anderen Dingen aus meiner Schaffenskrise herausgeholfen, denn ich weiß jetzt – das was ich und viele Kolleginnen und Kollegen machen – wird tatsächlich gesehen! Und das nicht nur auf dem linearen Sender für ein bis zwei Wochen, nein! Es überdauert online. Und wird in irgend einer anderen Ecke des Netzes vielleicht sogar gefeiert oder verrissen, geliebt oder gehasst.

Das ist für mich der Sinn und Zweck meines Schaffens! <3

Denkt hier denn niemand auch mal an die Kinder?!

Wie die meisten wissen dürften ist die Hauptzielgruppe für welche ich hauptsächlich engergiert werde irgendwo zwischen 6 – 9 Jahre alt. Manchmal sogar jünger – selten älter.

Was das im Detail bedeutet wird im späteren Verlauf der Blogreihe behandelt, wenn wir uns hoffentlich an Beispiele machen können und wirklich ins Thema einsteigen.
Weshalb ich es hier in teilen vorwegnehme:

Die Trailer die ich schneide müssen primär auf diese Zielgruppe zugeschnitten sein und für diese funktionieren. Mein Credo ist aber nach Möglichkeit auch immer:

Kinder augenscheinlich first, aber die „Kindgebliebenen“* gleich second!

*Ist als Kompliment gemeint!

Schon vor der Entdeckung des Youtube-Kanals, war mein Bauchgefühl und meine Überzeugung, dass meine Promos nicht nur von Kindern gesehen werden, sondern auch von erwachsenen Fans. Gerade weil das Content-Spektrum, dass ich betrailern darf unfassbar breit gefächert ist. Dies hat mir der Youtube-Kanal dann auch bestätigt.

Demzufolge hier ein Shout-Out an alle Geeks da draußen!
Ich „sehe“ euch! Ich trailer nach Möglichkeit auch für euch mit!

Glaubt es oder nicht, aber gleich nach dem Briefing durch den Sender, öffnet sich erstmal Youtube. Und dann… werden Kommentare gelesen. Ich schaue mir paar Sachen an, welche zum Thema online sind und pfeif mir eure Meinung rein. Was gefällt euch an einer Show, was eher nicht. Was bewegt euch und was lässt euch kalt oder verärgert euch sogar!

Und erst danach fange ich an das Material, welches mir für den Trailer zur verfügung gestellt wird, zu sichten und zu klammern. Immer im Hinterkopf – eure Stimmen aus dem Netz.
Wann immer es möglich ist, versuche ich kleine Details mit einzubauen die eventuell nur ihr sehen und finden könnt. Ich versuche die Trailer „Beefy“ zu bauen, so dass meine Zielgruppe nicht davon gestört oder überfordert wird, und ihr trotzdem was zum fitzeln habt. Und wenn nur EINER von euch es findet, oder nur ein Kind auch drüber lachen kann- war es mir das schon wert.
Weil dank euch weis ich jetzt, dass diese vermeintlich unbedeutenden 30 Sekunden eventuell irgendwo überdauern und irgendwann retrospektiv betrachtet werden könnten.

Abschied nehmen, wenns am schönsten ist.

Nun man sieht es an allen Enden und Ecken kommen. Das langsame Verschwinden von linearen TV-Sendern, sowie die Abwanderung der Zielgruppe von Linear zu Non-Linear, Streaming, Youtube und Co.
Kürzlich hatte ich die Gelegenheit mit einem 15-Jährigen mal ’nen kurzen Plausch zu halten, was ihn denn so bewegt, was er hört, was er sich ansieht. Antwort – ne kein Fernsehen, eigentlich nur noch Youtube. Aber TikTok fand er richtig ätzend – na immerhin.

Die Frage, wo in Zukunft geguckt wird, wirft auch die Frage auf, wo wird in Zukunft geworben und angekündigt/promoted? Wo läuft die Promo, wenn nicht nach dem Werbeblock auf einem Sender? Braucht es in Zukunft überhaupt noch Promo und falls ja…wie wird sie aussehen?

Im kommenden dritten und letzten Teil dieser Reihe, werde ich versuchen den Kreis zur Überschrift zu schließen und ich wage es mal einen bisschen zu spekulieren, wo Promo in Zukunft stattfinden wird, und wie sie sich eventuell verändert…

Danke fürs mitlesen!

Euer Marco

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Programm Promotion im Wandel der Zeit – Von „Morgen 20:15 auf XY“ zu „Ab XY als VoD abrufbar“ – Teil 1

Hier möchte ich mal ins Bewusstsein rufen, welchen Stellenwert ein Trailer – insbesondere ein On-Air Promo Trailer – in vergangenen Zeiten hatte, wie sich dieser Stellenwert dank dem Internet und dem dadurch immer stärker werdenden kollektiven Gedächtnis unserer Popkultur verändert hat und was dies schlussendlich für die Arbeit an Trailern bedeuten kann, oder vielleicht auch bedeuten sollte!

Kinder der 90er erinnert euch! Wir haben miterlebt, wie die privaten Sender ihre Hochphase hatten, wie sie wie Pilze aus dem Boden sprossen, und mit immer flotteren und frecheren Trailern um unsere Aufmerksamkeit buhlten.
Beliebtes Mittel – Promo Trailer, welche uns im Stakkato alles um die Ohren gefeuert haben, was das beworbene Programm zu bieten hatte und manchmal sogar mehr als das! Wenn die Promo „geiler“ war, als das dahinter stehende Programm.
Gleichzeitig war die Lebensdauer dieser schrillen Machwerke begrenzt. Sie liefen bis zum angekündigten Tag X, bis das Programm gestartet ist, oder die Botschaft des Trailers obsolet wurde.

Danach verschwand der Trailer vom Sender und als bald auch aus den Köpfen der Zuschauer, denn es handelte sich um eine Art „Wegwerf-Ware“ die nach Zweckerfüllung (Programmplatz-Kommunikation) nicht mehr gebraucht wurde.

Was die Kollegen von damals nicht wissen konnten: Es wird einmal einen Ort geben an dem die Trailer weiterleben. Es ist nicht die selbst zu bespielende VHS Kassette auf der man versehentlich die Werbung mit aufgezeichnet hatte. – Nein. Die Rede ist von einem paradiesischen Ort, in den es manche Trailer aus dieser Zeit geschafft haben um eventuell auf ewig zu überdauern. Das Internet…

Erinnert euch an diese Perlen der Promo:

Super RTL (2001)
https://www.youtube.com/watch?v=s98rdkV4Ukc&list=WL&index=24&t=0s

Und heute? Nunja, heute hat sich am grundsätzlichen Stellenwert erstmal nicht so viel verändert. Die Promo wird immer noch gerne weg ge„zapped“ oder mal als lästige Werbung betrachtet, die uns tagelang immer und immer wieder um die Ohren geballert wird, damit sich ein wohliges „ja wir wissen’s langsam, wann es läuft!“ einstellt.

Verändert hat sich nur, dass Trailer von heute oft nicht zufällig im Netz landen, sondern von den Sendern bewusst online gestellt werden oder von Fans online gebracht und gehalten werden. Was ich persönlich total großartig finde, DENN ich finde es immer wieder gut mich von der Arbeit talentierter und oft erfahreneren Kollegen inspirieren zu lassen. Hier mal ein Beispiel für das wohl stärkste der letzten Jahre:

Pro7 (genaues Jahr unbekannt – vermutlich 2015)
https://www.youtube.com/watch?v=v36zeZ8KrZ8
https://www.youtube.com/watch?v=wIvpvBScHC8

Ich denke anhand dieser Star Wars Promo kann man die These fest machen, dass gute Promo Trailer eigene kleine Kunstwerke sein können, die es wert sind mehr als nur Wegwerf-Ware zu sein!

Neue Trends – Die Trailer Analyse und das Oster-Eier Sammeln
Zunächst ein kleiner Exkurs zum „großen Bruder“ der On-Air Promo: Dem Cinematic-Trailer. Ein ausgewachsenes Biest mit bis zu 2:25 Minuten Laufzeit. Kürzer – auch oft gesehen – manchmal aber sogar länger als das!

Je nachdem um welchen Film es sich handelt, schart sich im Netz ein Heer von Film-Geeks und Fans zusammen und analysieren gefühlt jedes Frame (Einzelbild) eines Trailers!

  • Ein Trailer hat je nachdem 24 oder 25 Bilder pro Sekunde, dass macht dann also gern mal bis zu 3.625 Einzelbilder die es zu zerlegen gilt ;)! Plus die Metaebene aber das ist eine andere Geschichte!

Diese Analysen und Besprechungen können dann wie folgt aussehen:

Einmal recht sachlich wie am Beispiel Robert Hofmann, der die Arbeit der Promo als verlängerter Arm, durch eine Besprechung und Einordnung des Gezeigten, ergänzt und dabei auch auf die handwerkliche Qualität eines Trailers zu sprechen kommt:

Youtube Channel von Robert Hofmann am 17.02.2020 mit 597.000 Abonnenten.

STAR WARS 9 Finaler Trailer German Deutsch (2019) von Robert Hofmann
https://bit.ly/2HsNchV

Oder aber das pure Eintauchen ins „Fandom“ mit Spekulationen und Theorien!

Youtube Channel von New Rockstars am 17.02.2020 mit 2,47 Mio. Abonnenten.

Erik Voss auf dem Kanal NewRockstars (GOTT! ich liebe diesen Kerl! <3)

STAR WARS Rise of Skywalker D23 Trailer Breakdown! Easter Eggs You Missed!
https://bit.ly/37ysAiR

In letzterem Beispiel wird also 16 Minuten lang über einen 2:20 Minuten langen Trailer gesprochen…

Und der Video Titel sagt es schon, Oster-Eier wird es auch geben und zwar solche, die viele wohl gar nicht mitbekommen haben als sie den Trailer gesehen haben ABER sie sind da (!) und das ist das wichtigste. Trailer und Promos scheinen heutzutage eine ganz andere Wahrnehmung und Lebensdauer zu genießen.

Im zweiten Teil zu diesem Thema würde ich dann gerne Schlussfolgern was das alles bedeutet und wie man als Trailer Editor diese Dinge in seine Arbeit einbinden kann. Ich empfehle euch, checkt die Links aus, Abonniert die Kanäle und schaut euch die Videos an es macht einfach Spaß!

Euer Marco

P.S.: Hier noch ein Link zu einer Playliste, die sich mit Analyse von Spielfilmen befasst, falls ihr mit den Trailer-Analysen Blut geleckt habt. (Die Meisten in der Liste sind von New Rockstars) https://bit.ly/2uH70eJ

Film-Analyse Playlist: https://bit.ly/2uH70eJ
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30 Seconds -or less- to Sell

Was? On-Air Promotion (Programm-Trailer).

Wer? Marco Zanoni On-Air Writer Producer seit 2012.

Warum? Because time is Money! Der Werbe-Botschafter hat oft ein begrenztes Werbebudget und der Botschaftempfänger (Zuschauer) wenig Zeit!

Wie? Darum wird es in dieser Blogreihe gehen! In 30 Sekunden eine Kernbotschaft an den Zuschauer vermitteln. Eine Serie, einen Film oder ein Programmevent in wenigen Sekunden so treffend und attraktiv wie möglich präsentieren.

Folgt mir in die Untiefen des Trailer-Kaninchenbaus…

*Bis hier hin dürften die meisten Leser 25 – 30 Sekunden Zeit gebraucht haben. 😉

Editing Timeline eines 30-sekündigen On-Air Promo Trailers.
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Independent Film – Die unterschätzte Nische am Markt mit ungeahntem Zukunftspotential

Film existiert zuweilen in zwei Formen. Es gibt den Film als Kunstobjekt und den Film als Produkt. Der Einklang beider Existenzformen scheint zunächst oftmals nur den „Big Playern“ am Markt vorbehalten zu sein. Es gibt lang existierende Netzwerke aus Sendern, Produktionsfirmen, Förderanstalten und Filmschaffenden, welche nahezu einer eingeschworenen Gemeinschaft ähneln in welche nicht jeder ohne Weiteres Zugang erhält.

Viele Newcomer und Nachwuchsfilmschaffende begehen oft zudem den Fehler aufgrund einer sehr romantischen Vorstellung von Hollywood und der Medienwelt zu verdrängen, dass egal wie künstlerisch wertvoll ihr Filmwerk auch sein mag ein Film immer eine ernstzunehmende Geschäftsangelegenheit sein sollte und somit letztendendes keine reine Kunstform sondern auch ein Produkt mit einem Marktwert darstellt, welches verkauft werden möchte.

Genau in diesem Punkt steht der Film- und Fernsehlandschaft ein Wandel bevor und so wird es in der nahen Zukunft nicht nur ein noch größeres Angebot an Independent Filmen geben, Nein, es wird endlich auch eine adäquate Vermarktungsmöglichkeit für frei produzierte Filme ohne Verleih und Senderzugehörigkeit aufkommen.

Online-Streaming als Marktplatz für Kunstschätze – Und warum es keine Zweifel gibt

Das Jahr 2003 andere Zeit, andere Branche. Es ist das Jahr in welchem für Computer Gamer der lang ersehnte Titel „Half Life 2“ des Spielentwicklers Valve endlich auf dem Markt erscheint. Klassisch stehen in den Retail Regalen die Spielhüllen mit einem DVD-Datenträger (ein CD-ähnliches Medium welches Anfang der 2000er Jahre überwiegend zur Mediendistribution verwendet wurde).

Nach der Installation des Spiels die Überraschung – das Spiel verlangte einen sogenannten Steam-Account um sich beim Hersteller zu registrieren und die finalen Daten für eine vollständige Installation vom Server laden zu können. Dies sorgte seinerzeit für großen Unmut unter den Anhängern der Half Life Reihe, war jedoch die erfolgreiche Geburtsstunde eines neuen Distributions-Ökosystems für Computerspiele das heute aus dem Spielemarkt nicht mehr Wegzudenken ist und den Online-Distribution Sektor für Games dominiert- STEAM.

13 Jahre Später, das Jahr 2016. Die Spielebranche ist im Bereich Online-Distribution längst erwachsen geworden, aber wie sieht es in anderen Branchen aus? Die Grabenkämpfe zwischen der Musikindustrie und den illegalen Musikdownloadplattformen scheinen ebenfalls beigelegt und dank Spotify und Co. befriedet – da obsolet. In dieser Hinsicht scheinen Film und Musikindustrie näher miteinander verwand zu sein, denn auch für Filme ist das Online-Streaming in der breiten Masse der Konsumenten angekommen. Allerdings lernt und adaptiert die Filmbranche die wichtigsten Bausteine der Online-Distribution gerade erst noch – die Schaffung eines Distributions-Ökosystems Vorreiter hierbei Netflix, dicht gefolgt vom scheinbar ärgsten Konkurrenten Amazon Prime.

Und was ist nun der Punkt? Nun ein kurzer Blick zurück auf STEAM im Game Sektor offenbart einem im Store nicht nur eine Fülle an bekannten Spieltiteln namhafter Publisher welche sich auch in jedem gut sortierten Fachhandel finden, denn das Angebot wird ergänzt durch eine mindestens genauso umfangreiche Auswahl an independent Titeln von kleinen unabhängigen Spielentwicklern.

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Diese Independent Titel sind auch überwiegend  für das STEAM eigene Betriebssystem verfügbar – Stichwort Ökosystem. Was 2003 als lästige Kopierschutzmaßnahme begann ist inzwischen ein Online-Store, eine Community, eine Betriebsplattform, ein Software-Reseller sowie Hardwarehersteller für eigene system-gebundene Konsolen und Game Controller. Exklusiver Content im harmonischem Einklang mit akquirierten Titeln der „Konkurrenz“ vereint auf einer Plattform welche in der Lage ist das stetig stärker werdende „On-Demand“-Verhalten der Consumer zu befriedigen. Und genau dies wird nach und nach von Netflix und Co. übernommen. So finden sich auf Netflix eben-falls die Kategorie „Independent-Filme“, als auch der Bereich für Lokalkolorit „Deutsche Filme“ mit seinen zwei Subgenres die Komödie und das Drama – welches sich bereits erahnen lässt…

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Denn wer füllt nun den Subgenre-Reiter der deutschen Filmsparte mit einem breit gefächertem Angebot an Content? Die Stoßrichtung der Streamingportale ist klar: Lokaler Content soll sowohl im Auftrag produziert als auch verstärkt akquiriert werden. So hat Netflix die erste deutsche Serie mit dem Titel „Dark“ in Auftrag gegeben. Eine Mystery-Genre Serie im deutschen Setting, Regie führt Baran bo Odar der bereits mit „Who am I – Kein System ist sicher“ einen deutschen Genre Erfolg im Kino vorweisen kann. Auch Amazon Prime setzt auf lokalen Content und wird 2017 mit „Wanted“ ebenfalls eine deutsche Genre Serie von Matthias Schweighöfer ins Programm nehmen. Dies alles ist der Anfang, es sind Piloten – allerdings ist der Trend erkennbar. Als Filmschaffende von Morgen müssen wir die Zeichen von Heute erkennen und nutzen.

Belebende Impulse als Chance für die Wirtschaftlichkeit des Films

Mit einem vergrößertem Marktplatz mit hoher Reichweite erhöhen sich die Chancen für alle beteiligten. Nehmen wir zum Beispiel einen Debütfilm. Das Erstlingswerk vieler angehender Regisseure wird zwar oftmals über die Förderanstalten gefördert, allerdings gibt es nur selten eine adäquate Vermarktungsmöglichkeit um die Ausgaben wieder einzuspielen, da diese Debütfilme sofern sie es überhaupt deutschlandweit ins Kino schaffen nicht stark genug promotet sind um das nötige Einspiel zu generieren. Meine These an dieser Stelle ist, dass es da Draußen eine große Anzahl an nahezu ungesehenen Filmen gibt, denen die Plattform fehlt.

„Wer sich diese Filme im Fernsehen oder Kino nicht ansieht, wird sie auch Online nicht konsumieren!“

Falsch!

Online bietet weitaus flexiblere Möglichkeiten Independent-Content an den Konsumenten heranzutragen. Es gibt Anlehnungen an Lineares-TV Verhalten und es gibt Formen der Programmplanung. So gibt es auf Amazon Prime Modellversuche mit aus Linear bekannten Themenabenden. „Blockbuster-Friday“ – Am Freitag Abend kann der Consumer sich aus einem zusammen-gestellten Paket an Filmen für einen kleinen Betrag von -,99 Cent pro Titel einen Blockbuster aussuchen und diesen 24 Stunden lang genießen und so halbwegs frei seinen Freitagabend Blockbuster bestimmen. In so einem Paket finden sich Filme unterschiedlicher Bekanntheitsgrade und es werden gerne auch mal sogenannte „B-Movies“ mit eingestreut.

Netflix verfolgt im Kern eine andere Philosophie als Amazon allerdings lohnt ein Blick auf den Reiter „Ähnliche Titel“ der sich interaktiv an angesehenen Formaten orientiert und so dynamisch Pakete anbietet, die für den jeweiligen Consumer interessant sein könnten. Dahinter steckt ein lernender Algorithmus, welcher das Zuschauer verhalten tracked und das Angebot immer besser auf den jeweiligen User zuschneidet. Dieser Algorithmus hat auch einen X-Faktor der hin und wieder Titel einstreut, welche nicht dem gewöhnlichen Geschmack des jeweiligen Zuschauers entsprechen, um einen Anreiz zum ausprobieren zu geben.

Warum also nicht einem Konsumenten, der sich „Der Pate“ und „Gomorrah“ ansieht unter „Ähnliche Titel“ einen deutschen independent Mafia Genre-Film gleich mit anbieten?

Dieser Artikel bezieht sich sehr punktuell auf einen Teilbereich des Themas und es gibt mehr dort draußen als Netflix und Amazon. Auch sind viele Zusammenhänge hin und wieder komplexer, aber unterm Strich bleibt: Online-Streaming – Eine Chance für den deutschen Independent Genre Film aus der Nische zu treten, gesehen zu werden und sich wirtschaftlich zu entwickeln, denn Content is everywhere und die Nachfrage wird immer größer als das Angebot sein.

*Alle verwendeten Bilder sind Screenshots welche im März 2016 von den jeweiligen Plattformen gemacht wurden.

Autor: Marco Zanoni  01.03.16